Reise

Im Hyundai Ioniq 9 zu den Rittern aus dem Goldlöckchen-Märchen

Der Hyundai Ioniq 9 bietet enorm viel Platz. Foto: Patrick Schwienbacher

Südtirol steht für Schüttelbrot, Speck und schöne Berge. Dementsprechend brummt die Landwirtschaft und der Tourismus. Wir haben uns mit dem Hyundai Ioniq 9 auf den Weg dorthin gemacht.

Von Andreas Haslauer


Christoph Kirchler ist so etwas wie der Don Quijote von Südtirol. Seine Gegner sind wie in dem Roman von Miguel de Cervantes jedoch weder Windmühlen noch Zauberer. Seine Widersacher sind die sich immer wieder ändernden Gesetze. Denn Kirchler baut mit seiner Firma „Ecopassion“ Hanf an.

Warum Hanf? Die Pflanze, so erklärt es der Chef-Botaniker, sei wie eine eierlegende Wollmilchsau. Was viele nicht wissen, sei, dass Hanf nahezu alle Grundbedürfnisse des Menschen abdeckt. Mit ihm könne man Häuser bauen, sich kleiden, ihn essen – vor allem aber können wir uns dank ihm pflegen und entspannen lassen. Wenn wir erstmal Hanf zu uns nehmen, würde das sogenannte Endocannabinoid-System angeregt werden. Das System sei unser innerer Balance-Meister. „Wenn wir alle unser Wohlbefinden steigern wollen, kommen wir um den Hanf nicht drum rum”, so Kirchler, der seine CBD-Produkte in Apotheken, Drogerien und Praxen verkauft.

Positive wirtschaftliche Entwicklung

Gründer Christoph Kirchler baut Hanf. Foto: Patrick Schwienbacher

Mehr als eine halbe Million Euro Umsatz macht Kirchler mit seinen Salben, Tropfen und Kosmetik. Die wirtschaftliche Entwicklung kennt sowohl bei Ecopassion – als auch in ganz Südtirol – nur eine Richtung. Nach oben. Steil nach oben. Die Italiener, die Erfinder des „Dolce Vita“, sind vor allem für ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft bekannt. Die mehr als 37 Millionen Touristen, die jedes Jahr hierher in den Urlaub nach Südtirol kommen, können ein Lied davon singen.

„Die Geschichte hat vorgegeben, was Südtirol heute ist“, sagt Erwin Hinteregger, der als Chef des Vermarkters IDM die Marke „Südtirol“ ins Ausland trägt. Mit Geschichte meint er die Brücke zwischen kulturellen Gegensätzen. Zwischen gewachsenen Traditionen und gegenwärtigen Strömungen. Zwischen tiefen Wurzeln und neuen Identitäten. Wer aber nun denkt, dass die Südtiroler und Südtirolerinnen „nur“ mit dem Verkauf von Schüttelbrot und Speck ihr Geld verdienen, der irrt. Und zwar gewaltig. In den vergangenen Jahren hat sich die 7400 Quadratkilometer große Region in den Alpen zu einem unfassbar starken Innovations- und Wirtschaftsstandort entwickelt.

Mehr noch: Sie haben nicht wie andere Destinationen nur reine Visionen, sprechen im Konjunktiv. Nein, das interessiert die Menschen hier nicht. Südtirol, so Hinteregger, soll zum „begehrtesten nachhaltigen Lebensraum Europas“ werden, so der IDM-Chef. Dabei stützt Hinteregger seine Markenführung auf drei Säulen: Innovation, Nachhaltigkeit, Qualität. Klingt ein wenig nach Marketing-Kauderwelsch, ist es auch. Wenn man Hinteregger jedoch dazu drängt, das zu sagen, was er meint, versteht es jeder: „Wirklich gut ist nur, was auch gut für die Zukunft des Landes ist. Wirklich gut ist nur, was für alle gut ist“, erklärt der Mann, der auf einem Bauernhof in Lüsen aufgewachsen ist.

Viel Platz im Ioniq 9

Das Lenkrad des Hyundai Ioniq 9 ist mit seinen Funktionstasten. Foto: Patrick Schwienbacher

Um das aber alles vor Ort zu überprüfen, fahren wird mit einem Hyundai Ioniq 9 dorthin. Das E-Auto, so der Hersteller, überzeuge mit seinem hochwertigen Innenraum, in dem man sich „sofort zuhause“ fühle. Als ich Richtung Brenner fahre, denke ich jedoch, dass ich mit meinem ganzen Zuhause unterwegs bin. So geräumig, so gemütlich, so geschmeidig ist der Hyundai. Die Ingenieure haben in Korea einfach einen tollen Job gemacht. Und das Urteil der kritischen ADAC-Redakteure? „Riesig. Elektrisch. Gut.“ Ebenso ist die Fachjury des GCOTY Award – bestehend aus 40 internationalen Motor-Journalisten – hin und weg. Sie haben das Auto im Premium-Segment nun zum „German Car Of The Year“ gewählt. Und ich? Ich habe jedoch am Brenner fast gar keine Lust, während des Ladens mein rollendes High-Tech-Schneckenhaus zu verlassen, so schön kuschelig ist das Nappaleder um mich herum.

In Südtirol angekommen, ist Troyer unsere erste Anlaufstation. Mehr als 700 Wasserwerke hat die Firma seit 1934 gebaut, erklärt Davide Albani, der Geschäftsführer von Leitwind (Windturbinen) und Troyer (Wasserwerke), mir. Besonders die nachhaltigen Troyer-Werke hätten in den vergangenen Jahren „außerordentliche Zuwächse“ zu verzeichnen, so Albani. Mehr noch: Innerhalb der Unternehmensgruppe HTI hätte die Wasserkraft-Sparte am stärksten zugelegt. Das muss man erst mal schaffen, schließlich hat sich der Umsatz der HTI-Gruppe mit den Bereichen Seilbahnen (Leitner), Pistenfahrzeuge (Prinoth), Beschneiungs-Anlagen (Demaclenko) in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt.

Zwischenstopp bei Salewa

Der Ioniq 9 ist das ideale Auto, um nachhaltig unterwegs zu sein. Foto: Patrick Schwienbacher

Dann geht es weiter zu Salewa. Einer, der schon immer über den Tellerrand hinausschaut hat, ist Heiner Oberrauch, der Gründer des Outdoor-Konzerns: Er sagt: „Seit jeher führe ich die Gruppe enkeltauglich“. Und: „Alles was wir neu machen, muss nicht nur unter einem Klimagesichtspunkt wesentlich besser sein als das Alte. Nur dann hat es Berechtigung. Weg vom Mehr, hin zum Besser!“ Was er damit meint? Alle Entscheidungen trifft er mit der Prämisse: Wie sind die Auswirkungen in 20, 30, 40 Jahren?

Das Problem unserer Zeit sei das kurzfristige Denken. Das sei der große Unterschied zwischen inhabergeführten Unternehmen, sie denken in Generationen und nicht wie es die Politik oder Vorstandschefs von börsennotierten Unternehmen tun. Sie müssen die nächste Wahl gewinnen, das beste Quartalsergebnis der Geschichte vorweisen. Oberrauch will nur so wirtschaften, dass auch seine Enkel was davon haben. Eigentlich herrscht in Südtirol ja schon seit Jahren ein Goldlöckchen-Szenario – benannt nach dem bekannten Märchen. Das Wachstum ist in der autonomen Provinz weder zu hoch noch niedrig, die Wachstumschancen jedoch enorm. Eigentlich hört sich das, was dort passiert, nach einem neuen Märchen an.

Pilze als Superfood

Die nächste Generation steht mit Christian Rabensteiner schon am Start. Der Jungspund sieht mit seinen coolen Tätowierungen und Nasenringen auch nicht wie der klassische Stalljunge aus. Eines Tages, so erzählt es der 36-Jährige, lernte der Photovoltaik-Vertriebler aus dem Sarntal in Mailand einen Kollegen kennen, der Pilze anbaut. Er war sofort begeistert. „Pilze sind das Superfood des nächsten Jahrhunderts“, sagt nun Christian, der knapp 200.000 Euro in die Hand nahm, um in die Infrastruktur hier oben auf dem elterlichen Bauernhof zu investieren. Der Name seines Unternehmens: Naked Funghi. Sechs verschiedene Pilzsorten baut der gewiefte Unternehmer nun an. Die Folge? Die Restaurants in der Umgebung wollen alles, was Christian züchtet, abkaufen.

Besonders ein Restaurant sticht in Sachen Nachhaltigkeit in der ganzen Region heraus: Das Fink in Brixen. Schon bei der Renovierung des Hauses vor drei Jahren hatte Petra Fink, die Hoteldirektorin, nur umweltfreundliche Materialien verwendet. Naturkalk ohne Chemie, recyceltes Eichenholz aus der Region. Orientiert hat sie sich an „Wabi-Sabi“ einem philosophischen Konzept aus Japan. Die Lebensphilosophie Wabi-Sabi lehrt, den Moment wertzuschätzen, Vergänglichkeit zu akzeptieren und im Alltag zu entschleunigen. Sie hat wirklich an alles gedacht: Der Strom ist zu 100 Prozent Öko, die Duschwand aus Bienenwachs, das Papier auf der Speisekarte Natur pur, die Hülle aus Apfel-Leder. Und die Rezepte darauf? Für sie ist Florian Fink zuständig, ihr sympathischer Mann und Chefkoch. Er setzt auf regionale Produkte. Brutal regional! Das Gemüse, das Wild, das Schwein, das Rind – nahezu alles kommt aus einer Entfernung von 30 Kilometern.

Achtsamkeit bei Speisen

Florian und Petra Fink, Foto: Patrick Schwienbacher

Was macht die Küche aber besonders? Florian verwertet nahezu alles. Aus den Blättern der roten Beete und Karotten macht er Pesto, aus dem Strunk des Blumenkohls ein Püree. Nichts wird weggeschmissen. Ansonsten fermentiert er alles ein, was ihm irgendwie in die Finger kommt. Einzig der Geschmack ist in dem Hotel- und Restaurantbetrieb das große Problem. Drei Tage war ich dort. Wenn es gut kommt, habe ich „nur“ drei Kilo zugenommen. Denn alles, was Florian einem serviert, ist ein absoluter Traum.

Tischler Emil Tammerle in seiner Werkstatt. Foto: Patrick Schwienbacher

Der letzte Stopp ist die Tischlerei Tammerle in Afing. Der Junior-Chef ist der 26-jährige Emil Tammerle, der in Rosenheim Innenarchitektur und Design studierte und in Mailand arbeitete. Emil gilt in der Industrie als eine Art Käpsele, weil er es schaffte, aus einem minderwertigen Käferholz ein langlebiges Produkt zu schaffen. Also baut der Südtiroler es in seine Küchen, Schränke – ja, in die ganzen Einrichtungen für die Wohnungen und Häuser am Gardasee oder am Starnberger See – ein. Mit Erfolg. Im vergangenen Jahr gewann der Afinger den Bundespreis für innovative Leistungen im Handwerk. Gewürdigt wurde seine Methode, Borkenkäfer befallenes Holz durch Wärme- und Dampfbehandlung zu biegen und als hochwertiges Material für den Holzbau nutzbar zu machen. Sein Vorzeigeobjekt: der Stuhl M5. Die Stellen, an denen der Borkenkäfer knabberte, färbte er rot. „Ich habe den schwächsten Punkt zum stärksten gemacht“, so der gewiefte Tischler. Was ein Cleverle! Wenn also jemand weiß, wie man aus einer Not eine Tugend macht, dann sind es Menschen wie Tischler Tammerle oder Hanfbauer Kirchler. Sie sind die modernen (und vor allem nachhaltigen) Ritter im neuen Märchen. Der Name: Das Goldlöckchen.