Mobilität

Hyundai Nexo: Mutig in die Zukunft

Für viele Experten ist Wasserstoff die Zukunft. Die deutschen Hersteller indes zeigen sich abwartend. Der koreanische Autobauer Hyundai bringt mit dem Nexo bereits sein zweites Modell auf den Markt.

Nein, ein Volumenmodell wird auch dieser Hyundai nicht. Vom Hyundai ix35 F-Cell wurden seit dessen Marktstart im Jahr 2013 bundesweit 200 Fahrzeuge abgesetzt. Das ist eine homöopathische Dosis.


Nun steht also der Hyundai Nexo in den Startlöchern. Für ihn liegen vor dem Marktstart im August tbereits 180 Bestellungen vor. Für ein Auto mit einem Preis von 69.000 Euro ist das beachtlich. Aber auch bei Hyundai macht man sich keine falschen Hoffnungen, auch hier weiß man: die Zulassungslisten wird der Nexo nicht stürmen. Muss er auch nicht. Denn dieses Auto ist für die Koreaner ein Bekenntnis in die Wasserstofftechnologie. Bei Hyundai glaubt man, ebenso wie bei Toyota mit dem Mirai, an diese Technik.

Zögern bei deutschen Herstellern

Spricht man mit den deutschen Herstellern, hört man ähnliches. Auch dort ist man von der Technologie überzeugt. Dennoch schiebt man den Marktstart eines solchen Modells seit Jahren vor sich hin. Die Gründe dafür sind immer die gleichen: schlechte Infrastruktur, zu hoher Preis, kein Kundeninteresse. Zwar will Daimler mit dem Mercedes GLC F-Cell Ende des Jahres ein Brennstoffzellenauto anbieten, aber es wird nur an ausgewählte Kunden vergeben.

Wer es mit einer Technologie wirklich ernst meint, agiert anders. So wie Hyundai. Die Koreaner haben unlängst eine Kooperation mit Audi bekannt gegeben. Dadurch erhoffen sich beide Partner Effizienzsteigerungen und in der Folge günstigere Preise.

Für die Koreaner ist der Nexo ein Leuchtturmprojekt. In ihm steckt alles an Know how, das man zu bieten hat. Entsprechend hoch ist auch der Preis. Der 4,67 Meter lange Midsize-SUV wurde aber so kalkuliert, dass er netto bei unter 60.000 Euro (genau: 57.983 Euro) liegt. Damit kommt der Käufer nämlich noch in den Genuss der Kaufprämie für Elektroautos. Der Nexo jedenfalls ist mit seiner graumatten Lackierung ein Hingucker, der bis ins Detail aerodynamisch optimiert wurde. So sind nicht nur die Türgriffe versenkbar, sondern an der Frontschürze kann die Luft links und rechts durch kleine Öffnungen am Auto vorbei geleitet werden. An der D-Säule kann die Luft ebenso fast widerstandsfrei am Auto vorbeigeleitet werden.

Nachhaltigkeit auch im Innenraum

Aerodynamik auf der einen Seite, Nachhaltigkeit abseits des Antriebes auf der anderen Seite. Im Innenraum werden für Sitze und Verkleidungen recycelbare Materialien aus Mais, Soja und Zuckerrohr verwendet. Das macht Sinn, ist für ein solches Auto aber auch eine Selbstverständlichkeit.

Was sich die Entwickler indes bei der Konzeption der sehr breiten Mittelkonsole gedacht haben, bleibt deren Geheimnis. Dort findet der Betrachter ein Übermaß an Schaltern und Knöpfen, die zumindest bei der ersten Begegnung für Verwirrung sorgen. Ein klein wenig erinnert das einen an ein Flugzeug-Cockpit. Nun ja, nicht alles muss einen gefallen, vor allem nicht auf Anhieb. Vielleicht gewöhnt man sich ja auch an diese Optik und die Funktionalität, wenn man den Nexo länger als nur einen Tag fährt.
Doch abgesehen davon, gibt es nur wenig zu meckern, im Gegenteil. Das Kombisplay ist nicht nur modern gestaltet, sondern blendet beim Spurwechsel ein Kamerabild des rückwärtigen Verkehrs ein. Da ist eine wirklich prima Sache. Das hochauflösende Bild wird beim Setzen des Blinkers eingeblendet. Ein tolles Feature.

Ausreichend Platz im Fond

So wie Fahrer und Beifahrer trotz der ausladenden Mittelkonsole ausreichend Platz vorfinden, brauchen sich auch die Passagiere im Fond nicht beklagen, trotz der unter ihnen verbauten drei Wasserstofftanks mit einem Fassungsvermögen von 6,33 Kilogramm. Auch sie können sehr komfortabel sitzem: sie haben sowohl ausreichend Knie- als auch Kopffreiheit. Im Kofferraum des Koreaners können 461 bis 1466 Liter untergebracht werden. Das ist jetzt nun im Vergleich zu anderen SUVs in dieser Klasse nicht überragend, aber ausreichend.

Viel relevanter als das Kofferraumvolumen ist ohnehin etwas anders: die Reichweite – und das ohne langes Laden. Denn bis der Tank mit den 6,33 Kilogramm Wasserstoff betankt ist, vergehen nur rund fünf Minuten. Damit sind dann nach dem alten NEFZ-Zyklus 750 Kilometer Reichweite zu erzielen, nach dem neuen, realitätsnäheren WLTP sind es 666 Kilometer. Das ist eine Ansage.

Wäre da nicht der derzeit noch hohe Preis für die Brennstoffzellentechnologie und die lückenhafte Tankstelleninfrasttuktur, alles spräche für ein solches Auto. Denn momentan gibt es bundesweit nur 42 Stationen, 33 sollen noch dieses Jahr folgen. Das ist jetzt nicht gerade viel, doch die Reichweite von 666 Kilometer macht in Deutschland ein Liegenbleiben eher ausgeschlossen. Aber das Infrastrukturnetz entwickelt sich, nicht nur in Deutschland, auch im Ausland.

Hyundai Nexo mit 163 PS

In durchschnittlich 9,54 Sekunden beschleunigt der Hyundai Nexo auf Tempo 100. Keine schlechte Zeit für ein Auto dieser Gewichtsklasse. Foto: Hyundai

Das Fahren im Nexo unterscheidet sich im Übrigen nicht von anderen Elektroautos – es geht ebenso lautlos zu. 163 PS stellt der Elektromotor des im Nexo zur Verfügung, die Brennstoffzelle hat eine Leistung von 95 kW. So unterwegs, stellt der Nexo ein Drehmoment von 395 Nm zur Verfügung und lässt dieses SUV in knapp unter zehn Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit dieses 1,9 Tonnen schweren Gefährts liegt bei abgeregelten 179 km/h.

An Bord des Nexo findet sich dann natürlich auch alles wieder, was man auch aus anderen Autos an Fahrassistenzsystemen kennt. Da ist ein Spurwechselassistent ebenso wie ein Notbremsassistent, sondern er lässt sich auch per Funkfernbedienung automatischen ein- und ausparken. So etwas kennt man bisher nur von Premiumherstellern wie BMW oder Mercedes. Doch was man dort kann, kann man auch bei Hyundai. Und noch viel mehr, wie der Nexo mit seinem Wasserstoffantrieb beweist.

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified.

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