Hybrid

ZF macht Stadtbusse für innerstädtische Mobilität sauberer

ZF hat einen Bus elektrifiziert. Foto: ZF

Wenn es um enge Kurven geht, können 18 Meter ganz schön lang werden. Doch mit der Elektroportalachse von ZF kann man in Bussen durchaus ökologisch unterwegs sein.

Der ständige Blick in den Rückspiegel, ob das Hinterteil beim Kurvenfahren auch in der Spur bleibt, lenkt davon ab, dass man da in einem ganz besonderen Fahrzeug unterwegs ist. Einem weithin bekannten Mercedes-Stadtbus, der durch zwei neu montierte Achsen zum Hybridmodell umgebaut wurde. Insgesamt vier E-Motoren beteiligen sich zusammen mit den dicken Dieseln am Antrieb.


Die Teststrecke von ZF in Friedrichshafen liegt zwischen Fabrikhallen und Bürogebäuden inmitten der Bodensee-Stadt. Die Techniktüftler des bekannten Zulieferers lassen erstmals firmenfremde Entdecker in den Führerstand des riesigen Stadtbusses. Ein Druck auf die „D“-Taste, Bremse lösen und ein leichter Tritt auf ungewohnt große Gaspedal. Der Gelenkbus fährt nahezu lautlos an. Die E-Motoren an den Enden der ausgetauschten Achsen übernehmen die ersten Meter. Dann auf der Geraden schalten sich die Verbrennungsmotoren zu, das vertraute Dieselgeräusch wird hörbar.

Längere Strecken noch nicht möglich

Ob Pkw oder Nutzfahrzeug, das Hybrid-Prinzip ist das gleiche. Das gilt auch für die „Zaubertaste“ links vom Lenkrad. Mit ihr wird der Tatzelwurm zum reinen Stromer. Nur ein leises Singen verrät, wie der Bus jetzt unterwegs ist. Natürlich reicht die Kraft der Akkus nicht für längere Strecken. Später im richtigen Leben kann der Fahrer auf diese Weise aber lokal abgasfrei durch besonders belastete Straßenabschnitte stromern, auf denen vielleicht längst ein Fahrverbot für Dieselautos gilt.

Gesteuert wird das alles durch eine aufwendige Elektronik. Die Batterien können je nach gewählter Technik in den Ruhezeiten des Busses aufgeladen werden oder beziehen ihre Energie durch die sogenannte Rekuperation (Rückgewinnung) beim Bremsen oder Gaswegnehmen.

Weiterentwicklung mit Namen CeTrax

Die Idee hinter der sogenannten „Elektroportalachse AVE 130“ ist nachvollziehbar. Die Achse mit den beiden E-Motoren passt in die meisten Standardplattformen der Busmodelle der bekannten Hersteller, ob Mercedes, MAN, Scania oder all die anderen. Die Hersteller müssen keinen neuen Unterbau konstruieren, sparen Monate an Entwicklungszeit und -kosten. Das Modul kann mit vielen Stromquellen kombiniert werden: Oberleitung, Batterie, sogar Brennstoffzelle und eben auch für Hybridantriebe.

Neu ist eine Weiterentwicklung von ZF mit Namen CeTrax, die ebenfalls in vorhandene Baureihen eingebaut werden dann. Der elektrische Zentralantrieb eignet sich vor allem für die sogenannte Plug-In-Technik, bei der die Batterien per Kabel nachgeladen werden. Die E-Motoren leisten bis zu 408 PS und liefern eine Durchzugskraft von 4400 Newtonmetern. Das System kann auch in leichten Nutzfahrzeuge genutzt werden, die dann im städtischen Verteilerverkehr sauberer unterwegs sein könnten als bisher. ZF berichtet von großem Interesse seiner Kunden, verrät aber keine Namen. (SP-X)

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified.

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