Polestar legt sein Elektro-SUV schon nach zwei Jahren technisch neu auf. Die wichtigste Änderung ist beim Polestar 3 der Wechsel auf 800 Volt – mit mehr Ladeleistung, stärkeren Motoren und Folgen für bisherige Käufer.
Wie wir alle spüren, vergeht die Zeit ziemlich schnell. Als Polestar allerdings kürzlich eine umfangreiche Überarbeitung seines elektrischen SUV-Flaggschiffs Polestar 3 ankündigte, mögen sich so manche Menschen mit Interesse an dieser Marke – mehr noch aber wahrscheinlich die Besitzer eines solchen Modells – die Augen gerieben haben. Denn die zum Geely-Konzern gehörenden Schweden haben nicht etwa drei oder vier Jahre bis zum ersten Facelift gewartet, sondern gerade mal zwei.
Wobei „Facelift“ im engeren Sinn sowieso nicht stimmt, denn äußerlich bleibt der Polestar 3 gleich. Dafür fallen die Veränderungen unter dem Blechkleid erstaunlich umfangreich aus. Herzstück der Neuerungen ist die Umstellung von der 400- auf eine 800-Volt-Technologie, die sich für den Fahrer vor allem in deutlich verkürzten Ladezeiten auszahlt. Statt bisher 250 sind nun bis zu 350 kW möglich, so dass der immerhin brutto 106 kWh große Lithium-Ionen-Akku an einer entsprechenden Ladesäule unter optimalen Bedingungen in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent nachgefüllt werden kann.
Mehr Leistung, schnelleres Laden
Was der Fahrer nicht merkt: Um dies Umzusetzen, musste Polestar tiefgreifende Veränderungen an der Architektur vornehmen, vor allem in den Bereichen Akku-Komponenten, Leistungselektronik, Verkabelung und Thermomanagement.
Eine weitere Folge der Umstellung sind deutlich höhere Leistungen, vor allem durch den komplett neuen Motor an der Hinterachse. Das ausschließlich Hinterrad-angetriebene Basismodell „Rear“ (ab 78.900 Euro) leistet nun 245 kW/333 PS statt 220 kW/299 PS, das mittlere, von zwei Motoren angetriebene Allrad-Modell „Dual“ (ab 87.900 Euro) 400 kW/544 PS statt vormals 360 kW/489 PS und die „Performance“-Variante (ab 106.900 Euro) macht einen großen Sprung von 380 kW/517 PS auf 500 kW/680 PS, ist mit 106.900 Euro aber nun auch rund 10.000 Euro teuer als beim Start vor zwei Jahren.
Als kurios verbuchen wir die Tatsache, dass dem „Rear“-Modell als einzigem der drei Varianten die Akku-Kapazität von 106 auf 92 kWh gekürzt wurde und damit auch die Reichweite um rund 100 auf 603 Kilometer zurückging. Hier setzt die mittlere Version mit 647 Kilometer jetzt den Maßstab.
Viel Kraft, aber kein reiner Sportler
Uns wurde für eine Testfahrt nur die „Performance“-Variante zur Verfügung gestellt, deren Leistungsdaten mit 680 PS, 230 km/h Höchstgeschwindigkeit und einem Sprintwert von 3,9 Sekunden ziemlich brachial anmuten. Dabei gefällt sich der Polestar 3 selbst in dieser Version mehr in der Rolle des souveränen Gleiters als in der eines Elektro-Sportlers, auch wenn Polestar dessen dynamische Eigenschaften nicht müde wird zu betonen.
Das nur in dieser Variante aktiv luftgefederte Fahrwerk bügelt Unebenheiten auf der Straße leicht weg, würde von uns aber nicht als ausgesprochen komfortabel bewertet werden. Lässt man den Polestar von der Leine, wirkt das Auto in manchen Situationen ein wenig zu nervös und die Lenkung zu spitz. Okay, wem das nicht passt, der ist zum Beispiel mit dem mittleren Modell und dessen immerhin 544 PS sowie ebenfalls Allradantrieb sicher nicht schlecht bedient.
Zumal man in Sachen Karosserie ja immer das Gleiche bekommt: Einen gut verarbeiteten Innenraum mit sehr viel Platz auch hinten, einen mit 484 Liter angesichts der Fahrzeuggröße aber eher bescheidenen Kofferraum – plus vorne einem kleinen Frunk – sowie eine ansehnliche, aber auch nicht komplett aus dem Rahmen fallende SUV-Karosserie.
Schnell, das sind die Strategen und Ingenieure mit der Überarbeitung also auf jeden Fall gewesen und schnell ist auch der Polestar 3. Wer ein „altes“ Modell nicht geleast, sondern gekauft hat, könnte allerdings nun auch schnell verärgert sein, denn den Restwerten der Fahrzeuge wird diese Strategie nicht guttun. Da wird auch das versprochene kostenlose Update beim Händler nur bedingt helfen, mit dem immerhin die Ladeperformance von 250 auf die 320 kW des neuen Modells angehoben wird. (SP-X)



