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Xpeng L03: Viel E-Auto für wenig Geld

Der Xpeng L03 basiert auf einer 400 Volt-Architektur. Foto: Xpeng

Mit dem L03 bringt Xpeng ein neues Elektro-SUV an den Start. Schon das Basismodell ist mit 35.600 Euro vergleichsweise günstig.

Schon klar: Der Basispreis ist für die meisten Autokäufer eher ein theoretischer Wert. Wer noch ein bisschen in der Ausstattungsliste stöbert oder eine kräftigere Motorisierung ankreuzelt, liegt oft erheblich über dieser Summe. Trotzdem ist die aufgerufene Zahl durchaus wichtig – im Sinne einer generellen Orientierung. Das trifft auch auf das neue Mittelklasse-SUV aus dem Hause Xpeng zu, den LO3. 35.600 Euro für die Version RWD Standard Range mit einer Leistung von 180 kW/245 PS, einer WLTP-Reichweite von 445 Kilometern aus dem 58,3-kWh-Akku und einer sehr ordentlichen Ausstattung: Das ist eine klare Kampfansage an die Konkurrenz vom Schlage eines Tesla Model Y, BYD Sealion 7, Skoda Elroq, Renault Scénic E-Tech oder des VW ID. Tiguan.


Wie sich das Einstiegsmodell auf der Straße schlägt, konnten wir bei der ersten praktischen Bekanntschaft mit dem L03 noch nicht herausfinden. Für die Testfahrten im Dreiländereck um Basel stand nur die Spitzenversion namens AWD Performance Ultra parat. Deren zwei E-Motoren sorgen nicht nur für den Allradantrieb, sondern auch für eine Systemleistung von 285 kW/388 PS, ein maximales Systemdrehmoment von 431 Nm und dank der Batteriekapazität von 71,2 kWh für eine Reichweite von 440 Kilometern.

Flottes Laden auch mit 400 Volt

Beim Interieur lässt es Xpeng an fast nichts fehlen. Foto: Xpeng

Interessanter Aspekt: Trotz der Entscheidung für die 400-, statt für die teurere 800-Volt-Architektur hat Xpeng seinem Neuzugang eine sehr ordentliche Ladeleistung mitgegeben. Der größere Akku wird in der Spitze mit 236 kW gefüllt, der kleinere immer noch mit 193 kW. Laut Hersteller reichen jeweils 20 Minuten für die Betankung von zehn auf 80 Prozent. Bei den Testfahrten wurde der Ultra probehalber bei rund 50 Prozent SoC angesteckt und kam bis zu einem Füllgrad von knapp 70 Prozent in der Spitze auf knapp 180 kW. Im Schnitt waren es etwas über 150 kW. Damit kann man im Alltag gut leben. Ebenso mit den Fahrleistungen: Von null bis 100 km/h dauert es nur 4,5 Sekunden, das Spitzenmodell wird wie die anderen Varianten bei 180 Sachen abgeregelt. Wer’s fliegen lässt, hat sogar 193 km/h auf dem Tacho stehen.

Die Zeitspanne vom moderaten Tempolimit-Dahingleiten bis rauf zur unlimitierten Vmax ist kurz und im Sportmodus auch sehr erquicklich. Dabei bleiben Reifen- und Windgeräusche auf einem erfreulich niedrigen Niveau. Bei Landstraßentempo lässt sich der L03 auch munter durch Kurven steuern – mit den üblichen gewichtsbedingten Einschränkungen bei E-Autos mit ihren dicken Akkus. Die Lenkung dürfte gerne noch eine etwas konkretere Rückmeldung liefern, auch im mit ein paar Klicks aufs 15,6 Zoll große Display einstellbaren strafferen Modus bleibt Luft nach oben. Als angemessen erwies sich bei den Testfahrten der Verbrauch. Bei moderater Fortbewegung genehmigte sich der Allradler 14,5 kWh pro 100 Kilometer, nach einer Tour mit Vollstrometappen auf der Autobahn zeigte der Bordcomputer gut 20 kWh an.

Auch RWD Longe Range im Angebot

Der Vollständigkeit halber: Neben der Basis, die mit maximal 193 kW lädt, und dem ab 46.600 Euro angebotenen Ultra gibt es den jüngsten Xpeng-Sprößling auch noch als RWD Long Range mit dem schwächeren Antrieb, aber der größeren Batterie – das ist sozusagen die Vernunftlösung für Viel- und Langstreckenfahrer. Er soll bei einem Normverbrauch von 16,0 kWh/100 km eine WLTP-Reichweite von 520 Kilometern schaffen und kostet ab 38.600 Euro.

Vierter im Bunde ist der AWD Performance für 41.600 Euro. Er hat den Antrieb aus dem Ultra, muss aber auf ein paar Ausstattungs-Details verzichten. So hat das Spitzenmodell beispielsweise eine hochwertigere Audio-Anlage namens Xopera an Bord, 20 statt 18 Zoll große Leichtmetallräder und es bietet eine Massagefunktion an den Vordersitzen – und zwar eine echt empfehlenswerte. Ein besonderes Alleinstellungs-Merkmal bringt die Spitzenversion außerdem noch mit: den Xpeng Next Generation Pilot (XNGP), der teilautonomes Fahren ermöglicht und gerade erst im Rahmen der Pariser Automesse im dortigen Straßengetümmel bewiesen hat, was er drauf hat. Über eine Menge Serienausstattung verfügen alle L03er, erfreulicherweise kostet auch die im Winter so hilfreiche Wärmepumpe nicht extra.

4,65 Meter Länge, 1,92 Meter Breite: Das schick und fließend gezeichnete, aerodynamisch optimierte SUV-Coupé ist das bisher kleinste Xpeng-Modell. Platz bietet es trotzdem reichlich, auf den vorderen Plätzen sowieso, aber auch im Fond kommen Großgewachsene gut zurecht. Wobei auch das serienmäßige Panoramadach das Raumgefühl positiv beeinflusst. Der Kofferraum ist mit einem Volumen von 367 Litern eher ein bisschen klein ausgefallen, in den Frunk passen noch 89, bei den Allradversionen 44 Liter. Positiv fallen wiederum die Innenraum-Materialien, die Sitze und die Verarbeitung der Vorserienmodelle auf. Das Interieur wirkt wie aus einem Guss, von den Schaltern und Knöpfen bis zu den hochwertigen Lautsprecher-Abdeckungen.

Assistenzsysteme verlangen Optimierung

Attraktives Heck: der Xpeng L03. Foto: Xpeng

Der Umgang mit dem L03 ist nach kurzer Eingewöhnungszeit eher einfach. Und vermutlich wird auch die Sprachassistentin in den ersten Kundenfahrzeugen ein bisschen verständiger sein als ihre Azubi-Kollegin im Testwagen: Die Reaktionen auf das freundliche „Hello Xpeng“ waren nämlich zwischendurch etwas ausbaufähig. Und ja: Auch die Tempo-Erkennung und sonstige Assistenzsysteme dürfen bis zum Serienanlauf noch im Herbst gerne noch etwas nachjustiert werden. Positiv: Die Warntöne für die Assistenzsysteme agieren akustisch eher zurückhaltend. Und lassen sich natürlich auch ausschalten.

Insgesamt hinterließ der Neue im Xpeng-Portfolio einen guten Eindruck. Er sieht flott aus, ist in Sachen Software auf dem neuesten Stand, er ist sicher, einfach zu bedienen und kann bei der Antriebstechnik gegen seine Mitbewerber locker mithalten. Und das meist für ein paar Scheine weniger. Noch keine Preise verrät der Hersteller zur in Kürze nachgereichten Version mit Range-Extender namens L03 REEV, die mit einer Tank- und Akkufüllung auf bis zu 1.000 Kilometer Reichweite kommen soll. (SP-X)

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