Hybrid

BYD Atto 2 DM-i: Teilzeitstromer mit attraktivem E-Bonus

Der BYD Atto 2 DM-i hat eine Reichweite von 90 Kilometer. Foto: BYD

Ein Plug-in-Hybrid im B-Segment? Gibt es nicht. Zumindest bislang. Nun bringt BYD mit dem Atto 2 DM-i nämlich einen Teilzeitstromer – und bietet dafür einen E-Bonus.

Plug-in-Hybride sind bislang mehr eine Spielwiese für Dienstwagenfahrer oder kaufkräftigen Kunden – als Alibi-Teilstromer mit Langstrecken-Backup, zu hohen Listenpreisen und mit Förderregeln für Privilegierte. Diesen Umstand will die chinesische Marke BYD nun ändern und macht die teilelektrische Technik mit Stecker ausdrücklich Käufern mit überschaubarem Budget zugänglich.


Nach dem eher mäßig erfolgreichen Start des kompakten Atto 2 als vollelektrische Variante ergänzt BYD nun das Programm um ein Plug-in-Modell (ab 35.990 Euro), das das Wachstum der Marke in Deutschland beflügeln soll. Dabei sticht die mit 38.990 Euro eigentlich teurere Boost-Variante mit der größeren Batterie heraus: Sie ist dank der elektrischen Reichweite von 90 km nach dem neuen gestaffelten Programm der Regierung förderfähig und profitiert zum Marktstart zusätzlich von einem BYD-eigenen Bonus, der den effektiven Einstiegspreis für berechtigte Kunden auf unter 23.000 Euro drückt – damit rückt ein Plug-in-Hybrid preislich in Regionen vor, in denen sonst einfache Einstiegsmodelle ohne Stecker unterwegs sind.

Leistung von 212 PS

Nicht nur der Preis, auch die Technik lässt aufhorchen. Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit einem Dual-Motor-Layout, bei dem ein E-Motor als Generator primär Strom erzeugt, während der zweite den Antrieb direkt an die Vorderachse schickt. In Kombination mit der 18 kWh Blade-Batterie, wie sie BYD auch in seinen reinen Elektroautos einsetzt, und einem 45-Liter-Tank ergibt sich auf dem Papier eine respektable Reichweite von bis zu 1.000 km, die sich in Kombination mit einer Systemleistung von 156 kW/212 PS vor deutlich teureren Plug-in-SUV nicht verstecken muss.

Der Atto 2 DM-i markiert in der Boost-Ausführung die dynamischere Spitze der Baureihe. Er sprintet in rund 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist bei 180 km/h abgeregelt; darunter rangiert der Active mit kleinerer Batterie, 122 kW/166 PS Systemleistung und moderateren Beschleunigungswerten. Im Fahrbetrieb dominiert dabei zunächst der Elektromotor als erste Kraftquelle, der sein volles Drehmoment früh bereitstellt und damit für spontanen Antritt im Stadt- und Landstraßentempo sorgt.

Lauter Motor bei geleerter Batterie

Solange die Batterie gut gefüllt ist, wirkt der Atto 2 DM-i entsprechend wach und gelassen, reagiert flink auf Gasbefehle und bleibt gleichzeitig akustisch im Hintergrund. Über eine Taste in der Mittelkonsole lässt sich zwischen rein elektrischem und Hybridbetrieb wechseln, zudem stehen die Fahrprogramme Sport, Eco, Normal und Snow zur Wahl, die den Antriebsstrang jeweils leicht anders ausrichten – in der Praxis fallen die Unterschiede allerdings überschaubar aus. Hinzu kommen zwei Stufen für die Rekuperation, die beide jedoch eher zurückhaltend verzögern.

Angenehm ist die Ruhe im Innenraum bis etwa Tempo 100: Hier dominiert der E-Antrieb das Geschehen, Wind- und Abrollgeräusche halten sich zurück. Auch muss man das Gaspedal schon sehr stark durchtreten, um den Benzinmotor zum Leben zu erwecken. Spätestens bei Autobahntempo oder sobald die Batterie geleert ist, ändert sich die bis dahin harmonische Klangbild jedoch ein Stück weit: Der eher kernige Vierzylinder übernimmt das Zepter, muss nun sowohl Vortrieb als auch Stromerzeugung schultern und meldet sich deutlich präsenter zu Wort. Die Geräuschkulisse wirkt dann nicht immer im Einklang mit den tatsächlichen Fahrbefehlen, weil der Motor teils höher dreht, als es Tempo oder Gaspedalstellung vermuten lassen – ein typischer Effekt seriell-paralleler Hybridsysteme, der den zuvor sehr kultivierten Eindruck etwas relativiert.

Beim Laden zeigt sich, wo der Atto 2 DM-i seinen Preisvorteil mit einem Kompromiss bezahlt. Die Onboard-Technik erlaubt lediglich eine AC-Ladeleistung von bis zu 6,6 kW, Schnellladen ist nicht vorgesehen. Das genügt zwar für das nächtliche Nachladen in der heimischen Garage, verlangt aber Geduld: Die Akkueinheit der Boost-Variante benötigt entsprechend drei Stunden. Wer häufig tagsüber nachladen will, muss also fest einkalkulierte Standzeiten einplanen.

Atto 2 mit guter Ausstattung

Der BYD Atto 2 DM-i kommt in den Genuss einer E-Autoförderung. Foto: BYD

Die Standardausstattung ist dennoch ziemlich gut und beinhaltet eine Rückfahrkamera mit Parksensoren, Regensensoren, adaptive Geschwindigkeitsregelung, LED-Scheinwerfer und Metallic-Lackierung – allerdings ist die Farbauswahl mit vier Tönen recht begrenzt. Die Boost-Ausstattung umfasst zusätzlich eine 360-Grad-Kamera, beheizbare Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad, getönte Scheiben, ein Panoramadach und kabelloses Smartphone-Laden. Dank Vehicle-to-Load-Technologie (V2L) kann man die Batterie zudem nutzen, um externe Geräte mit Strom zu versorgen – etwa beim Camping oder auf der Baustelle.

Der Atto 2 DM-i reiht sich in ein bekanntes Umfeld ein. Mit knapp 4,30 Metern Länge, reichlich Platz im Innenraum und einem Kofferraum von 425 Litern reiht er sich zwischen Wettbewerbern wie MG ZS, Peugeot 2008, Renault Captur oder Toyota C-HR ein und ist das kleinste SUV in der schnell wachsenden europäischen BYD-Palette. Am grundsätzlichen Auftritt ändert die Plug-in-Technik wenig: Der Atto 2 DM-i behält seine eher kastenförmigen, aufrechten Proportionen, die ihn etwas aus der Masse neuer China-SUV herausheben, ohne gestalterische Risiken einzugehen. Damit positioniert sich der PHEV klar als rationales Angebot im dicht besetzten B-SUV-Segment – mit dem Preis als stärkstem Argument. (SP-X)

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SP-X

SpotPress - abgekürzt SP-X - ist eine auf Nachrichten aus der Autoindustrie spezialisierte Agentur.

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