Hybrid

Lamborghini: Reine Elektromodelle vorerst kein Thema

Produktionsstraße des Lamborghini Urus. Foto: Lamborghini

Lamborghini setzt auf die Elektrifizierung. Reine Elektromodelle sind für den Sportwagenbauer aber derzeit kein Thema.

Aller guten Dinge bleiben auch im nächsten Jahr drei – jedenfalls bei Lamborghini: der V12-Hybrid Revuelto als Flaggschiff, der neue V8-Hybrid Temerario als „Baby-Lambo“ und der Urus als SUV, der bereits als Plug-in-Hybrid (Urus SE) die Elektrifizierung aller Baureihen vollendet.


Im kommenden Jahr können Supersport-Fans also keine neuen Modellreihen erwarten – aber hübsch übers Jahr verteilt Ableger auf Basis dieser Plattformen: Motorsportvarianten des Temerario wie ein GT3-Rennwagen sollen die Rolle der Huracán-GT3-Programme übernehmen. Damit verlagert der Autobauer aus Sant’Agata Bolognese sein Kundensport-Engagement schrittweise von den bisherigen V10-Modellen auf die neue V8-Hybrid-Architektur. So wenig Downsizing ist den Petrolheads wohl zuzumuten.

Editionsmodelle weiter mit Verbrenner

Mit Revuelto, Temerario und Urus SE steht die komplette Modellpalette aber auch bereits unter Strom; reine Verbrenner spielen nur noch bei extrem limitierten Editionsfahrzeugen eine Rolle. Selbst der auf 29 Exemplare limitierte Fenomeno mit frei saugendem 6,5-Liter-V12 und Hybridtechnik zeigt, dass Lamborghini nicht mehr komplett auf Elektrifizierung verzichtet, aber weiterhin maximal emotionalen Sound und Drehzahl liefern will.

Gleichzeitig hat Lambo-Chef Stephan Winkelmann aber die ursprünglich offensiv angekündigten Elektropläne deutlich relativiert: Reine Elektro-Supersportwagen sind vorerst auf Eis gelegt, weil die Kundschaft weiterhin Verbrennungsmotoren und deren spezifische Charakteristik verlangt. Gerade in wichtigen Märkten wie den USA, Japan oder den Golfstaaten haben reinelektrische Angebote der Konkurrenz keinen Erfolg – ein klares Signal für die Italiener. Statt eines schnellen Durchmarschs in Richtung Voll-EV dürfte Lamborghini auf mittlere Sicht vor allem Plug-in-Hybride mit sehr hoher elektrischer Leistung und kurzer, aber intensiver E-Reichweite nachschärfen. Und auch die nächste Generation des Urus wird ab dem Wechsel des Jahrzehnts ziemlich sicher noch mit Verbrenner über Stock und Stein und Rennstrecke donnern.

Viertes Serienmodell in Arbeit

Über die drei bekannten Baureihen hinaus arbeitet Lamborghini an einem vierten Serienmodell, das als zweitüriger 2+2-Gran-Turismo positioniert werden soll. Der GT wird wohl zum Ende des Jahrzehnts in die Modellpalette einziehen und – klar – mit einem elektrifizierten Antrieb an den Start gehen, um die CO₂-Bilanz der Flotte zu entlasten. Damit würde Lamborghini erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Modell anbieten, das stärker auf Komfort, Reichweite und Alltagstauglichkeit zielt. Der Lambo für die eilige Familie sozusagen.
Zwischen 2026 und 2028/2029 will Lamborghini zudem die Hybridtechnik in mehreren Evolutionsstufen weiter ausreizen, etwa durch leichtere Batterien, noch stärkere E-Motoren und zusätzliche Fahrmodi. Parallel werden auf Basis des Temerario neue Renn- und Track-Only-Derivate für GT3-Serien und Markenpokale erwartet, die den Technologietransfer zwischen Rennstrecke und Straße sichern sollen. Vom Formel-1-Projekt der Schwester Audi profitieren die Lambo-Ingenieure nämlich nicht. Deren Erkenntnisse sollen erst einmal vor allem in die eigenen Entwicklungen aus Ingolstadt fließen.

Ob und wann ein Lamborghini im kommenden Jahrzehnt denn doch mal allein elektrisch angetrieben wird, hängt neben geeigneten Konzernplattformen stark von Marktakzeptanz und Regulierung ab – und da geht der Trend global gesehen noch lange nicht in Richtung Sport-Stromer. Bis dahin bleibt Lamborghini die vielleicht lauteste Antwort auf die Energiewende; mit deutlich mehr Benzin als Strom im Antrieb. (SP-X)

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified.

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