Land Rover elektrifiziert nun auch den Range Rover Sport. Der 450 PS starke Vollstromer bietet 609 Kilometer Reichweite, 325 kW Ladeleistung und reichlich Geländekompetenz.
Schon vor über 20 Jahren, als Land Rover den Range Rover Sport vorstellte, fragte man sich in der Branche, warum die Briten ein zweites, doch weitgehend ähnliches Modell dem Flaggschiff Range Rover zur Seite stellten. Immerhin gab es einen Discovery. Doch während der „Range“, wie die Marken-Ikone meist kurz genannt wird, als Luxus-SUV mit maximalem Komfort, Prestige und Raumangebot die Kundschaft verwöhnen soll, zielt der „Sport“ mit seiner etwas niedrigeren Silhouette und eine Handbreit kürzeren Karosserie auf eine fahraktivere Klientel.
Für Land Rover ging die Rechnung bestens auf. Über eine Million Range Rover Sport rollten seitdem von den Bändern in Solihull. Heute trägt rund ein Drittel der jährlich rund 225.000 verkauften Range-Rover-Modelle die Bezeichnung „Range Rover Sport“ am Heck.
Preis startet bei über 120.000 Euro
Gut möglich, dass diese hohe Kaufquote nun mit der in Kürze erhältlichen Elektrovariante sogar noch steigt. Sie geht demnächst zu Preisen ab 120.400 Euro an den Start. Der Range Rover Sport Electric wurde in den vergangenen vier Jahren gemeinsam mit dem vollelektrischen Range Rover entwickelt. Beide greifen somit auf viele technische Gemeinsamkeiten zurück. Hauptziel der Ingenieure war es, mit dem elektrischen Antrieb keinerlei Abstriche in Sachen Nutzbarkeit und Variabilität sowie bei Raumangebot und Kofferraum zu machen. Leistungsentfaltung und Geländefähigkeit galt es sogar noch zu steigern.
Im Boden des Range Rover Sport steckt eine Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 118,5 kWh, was eine Reichweite von 609 Kilometern ermöglichen soll. Dank der modernen 800-Volt-Architektur bleibt auch die DC-Ladeleistung auf Höhe der Zeit: Bis zu 325 kW können in die Batteriezellen geschickt werden. Die Briten versprechen für zehn Minuten am Kabel 220 „frische“ Kilometer. Um von zehn auf 80 Prozent zu laden, vergehen im Bestfall 22 Minuten. Auf das komfortable Plug & Charge müssen Käufer allerdings noch bis zum nächsten Update warten. Land Rover startet diese Technik in den USA (läuft über Tesla).
Unterwegs mit zwei E-Motoren
Antriebsmäßig ausgestattet ist der Sport stets mit zwei Elektromotoren, in der Einstiegsversion EV450 leisten die beiden Strommaschinen zusammen 331 kW/450 PS, beim Topmodell EV550 beträgt die Systemleistung 405 kW/550 PS. An Drehmoment stehen 850 Newtonmeter zur Verfügung, der höchste Wert in der Geschichte des Range Rover Sport.
Entsprechend souverän verhält sich das knapp fünf Meter große SUV. Wie von E-Motoren gewohnt, geht es nahezu lautlos und mit höchster Geschmeidigkeit mächtig zur Sache. In nur 4,5 Sekunden schießt der britische Bolide aus dem Stand auf Tempo 100. Da ist Sportwagenniveau. Fast noch eindrucksvoller gestaltet sich der Zwischensprint von 80 auf 120 km/h (simulierter Überholvorgang). Hier liegt der Vollstromer mit nur 3,6 Sekunden auf dem Niveau seines Achtzylinder-Verbrenner-Pendants SV. Wer möchte, kann das Ganze noch mit einem virtuellen, sonoren Sound untermalen.
Doch der Range Rover Sport Electric kann nicht nur zügig geradeaus. Seine Entwickler haben ihm auch ein anspruchsvolles Fahrwerk mit Luftfederung, Allradlenkung und aktiver Wankstabilisierung unter die Karosserie geschraubt. Alles zusammen sorgt für eine dicke Portion an Fahrspaß, die das hohe Gewicht des Elektro-SUV fast vergessen lässt. Das Auto lässt sich so präzise ums Eck scheuchen, dass man schon fast die physikalischen Grundgesetze infrage stellt. Nicht unerheblich ist hierbei: Der Schwerpunkt liegt über sieben Zentimeter tiefer als beim V8. Zudem ist die Karosserie in Verbindung mit dem Batterie-Paket über 60 Prozent steifer.
Offroad ohne Kompromisse
Auch abseits der Straße, im Alltag zwar eher eine Seltenheit, aber es gehört zum Markenkern von Land Rover, im Gelände Bestwerte ohne Kompromisse zu liefern. Und dies geht mit Elektromotoren deutlich feinfühliger und leichter als wir es traditionell von Verbrennern mit Verteilergetriebe, Kriechgang und Differenzialsperren her kennen. Es reicht ein Fingertipp auf dem Display zur Aktivierung des entsprechenden Fahrmodus. Einen Drehschalter wie im großen Range Rover gibt es im Sport nicht. Die Offroad-Einstellungen unterscheiden Durchfahren von Wasser (bis 90 cm), Kraxeln auf felsigem Untergrund sowie Fahren im Schlamm, Sand und Schnee. Die Luftfederung hebt dann bis zu 12 Zentimeter an.
Äußerlich unterscheidet sich die elektrische Version des Range Rover Sport nur marginal (Kühlergrill, Felgen) von den Modellbrüdern mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid. Kunden sollen bei der Wahl des Antriebs nicht gezwungen werden, ein anderes Design akzeptieren zu müssen. Gleiches gilt für den Innenraum. Im Cockpit wurden lediglich die Grafiken auf dem Display für die elektrischen Besonderheiten (Batterie-Ladezustand, Reichweite, Rekuperation etc.) angepasst. Wie gehabt lässt es sich in dem britischen Oberklasse-SUV bestens leben. Sein schickes, reduziertes Cockpit-Layout, feinste Materialien, tolle Sitze und großzügige Platzverhältnisse schaffen eine gediegene und luxuriöse Atmosphäre, die einen jeden Tag aufs Neue erfreut. (SP-X)


