Elektro

Allianz Trade: Europas Autobauer haben E-Mobilität verschlafen

An den Schnellladesäulen von Lidl und Kaufland wird das Laden günstiger. Foto: Kaufland

Europas Autohersteller haben zu lange am Verbrenner festgehalten und damit ihre Wettbewerbsposition geschwächt. Eine Studie von Allianz Trade sieht darin einen wesentlichen Grund für sinkende Marktanteile und schrumpfende Gewinnmargen.

Europas Autohersteller haben den Umstieg auf Elektroautos zu spät eingeleitet und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit geschwächt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade. Die Unternehmen hätten demnach jahrelang vor allem in die Weiterentwicklung ihrer Diesel und Benziner sowie in die Sicherung kurzfristiger Gewinne investiert, statt frühzeitig auf Elektromobilität und Software zu setzen. Der heutige Rückstand gegenüber chinesischen Wettbewerbern sei daher nicht allein auf höhere Produktionskosten zurückzuführen, sondern auch auf strategische Fehlentscheidungen.


Folgen gerade für deutsche Hersteller

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei den drei großen deutschen Autokonzernen Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz. Deren Marktanteile sind laut der Untersuchung seit 2021 in Europa um rund zehn Prozentpunkte und in China um sieben Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig hat sich die Ertragslage verschlechtert: Die Gewinnmargen deutscher Hersteller seien von rund 13 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt etwa 4 Prozent gefallen. Die von den Unternehmen je Fahrzeug erzielte Wertschöpfung liege auf dem europäischen Markt inzwischen 30 bis 45 Prozent unter dem Niveau von 2021 beziehungsweise 2022.

Als wesentlichen Grund nennt die Studie die verspätete Elektrifizierung. Während chinesische Hersteller frühzeitig große Produktionskapazitäten für Batterien und Elektroautos aufgebaut haben, hätten europäische Unternehmen ihr Kapital lange zur Absicherung des bestehenden Verbrenner-Geschäfts eingesetzt. Inzwischen haben sie der Studie zufolge beim Elektroautoabsatz auf dem Heimatmarkt zwar aufgeholt, leiden aber weiterhin unter hohen Kosten und einer geringeren Profitabilität.

Verschiebung der Wertschöpfung

Hinzu kommt eine Verschiebung der Wertschöpfung. Während bei Verbrennern Motor und Fahrwerk einen großen Teil des Fahrzeugwerts ausmachen, entfallen bei Elektroautos inzwischen 50 bis 60 Prozent auf Batterie und Software. Gerade in diesen Bereichen sind europäische Hersteller stark von asiatischen Unternehmen abhängig. Eine eigenständige europäische Batteriezellproduktion im großen Maßstab halten die Experten kurzfristig kaum für wettbewerbsfähig.

Kritisch bewertet Allianz Trade vor diesem Hintergrund auch die geplante Lockerung der europäischen CO2-Vorgaben. Eine Abschwächung der Ziele könne den Herstellern kurzfristig Entlastung verschaffen, zugleich aber dringend notwendige Investitionen verzögern und den technologischen Rückstand vergrößern. Statt auf vollständige Unabhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu setzen, empfehlen die Autoren gezielte Partnerschaften sowie Investitionen in Software, Batterietechnik und Zukunftsfelder wie autonomes Fahren. (SP-X)

Über den Autor

SP-X

SpotPress - abgekürzt SP-X - ist eine auf Nachrichten aus der Autoindustrie spezialisierte Agentur.