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Schauspielerin Lea van Acken: Kunst kann nicht unpolitisch sein

Die Schausdpielerin Lea van Acken beim Shooting mit dem Opel Astra Sports Tourer Electric. Foto: Viktor Strasse

Lea van Acken hat ihren ersten großen Erfolg als Schauspielerin in dem Filmdrama “Kreuzweg” als Jugendliche gefeiert. Wir trafen die 27-Jährige zum Gespräch in Berlin.

Es ist Ende Februar, Berlin hat eisige Tage hinter sich. Doch an diesem Montag hat das Wetter ein Einsehen. Nach dem Regen des Vortags kommt sogar die Sonne raus. An den Temperaturen ändert das leider nicht viel, sie bleiben in den nächsten Stunden unseres Treffens mit Lea van Acken in der Nähe des Hauptbahnhofs niedrig einstellig. Die 27-Jährige nimmt es gelassen.


Dass der Wind während des Shootings in der Bertha-Benz-Straße und anschließend an der „Schwangeren Auster“ in der Nähe des Kanzleramts eisig weht, ist halt so. „Daran können wir ja nichts ändern“, sagt sie. Geduldig lässt sie sich von unserem Fotografen mit dem neuen Opel Astra Electric Sports Tourer ablichten. Warum ein Opel? Weil Lea van Acken eines der Markengesichter des Rüsselsheimer Autobauers ist. Privat ist sie mit einem Opel Combo unterwegs, natürlich rein elektrisch.

Erster großer Erfolg mit Filmdrama “Kreuzweg”

Lea van Acken auf dem Fahrerplatz des Opel Astra Sports Tourer. Privat fährt sie auch elektrisch. Foto: Viktor Strasse

Als sie nach der Fotosession ins nahe Lantana Café kommt, merkt man es ihr aber doch an, dass sie froh ist, sich aufwärmen zu können. Drinnen nimmt sie in einem der gemütlichen Sessel Platz, bestellt sich einen Bagel und einen Tee, ihre Hand umschließt die warme Tasse. Den Namen Lea van Acken dürften bisher nur wenig Filminteressierte auf Anhieb kennen, ihr Gesicht schon eher. Sie ist bereits seit Jugendtagen im Geschäft – und das sehr erfolgreich. Im Jahr 2014 hatte sie ihre erste Hauptrolle als tief religiöse Maria im Filmdrama „Kreuzweg“ des Regisseurs Dietrich Brüggemann. Der Film gewann im selben Jahr bei der Berlinale den Silbernen Bären. „Für mich war das wirklich der Anfang meiner Karriere“, erinnert sie sich. Das Hamburger Abendblatt titelte damals über ihren Auftritt: „Ein Gesicht, das man nicht vergisst.“ Ein Lob, was man als junge Schauspielerin gern hört. Der Film sei ohne Frage wichtig für all das gewesen, was danach kam, sagt Lea van Acken.

Fast noch wichtiger als dieses Debüt sei aber die Science-Fiction-Mystery-Serie „Dark“ auf Netflix gewesen. Warum wichtiger? Weil diese Serie auch international ausgespielt wurde, entsprechend Aufmerksamkeit erregt hat, erklärt die in Schleswig-Holstein aufgewachsene Schauspielerin. Seit einigen Jahren lebt sie mittlerweile aber in Berlin. Besonders prägend im Rückblick sei jedoch die Literaturverfilmung „Das Tagebuch der Anne Frank“ für sie gewesen, in der sie die Rolle des jüdischen Mädchens spielte. „Die Auseinandersetzung mit dieser Rolle, der Person der Anne Frank, begleitet mich auch heute noch sehr stark.“ Sich in die Person und die Ängste der Anne Frank hineinzuversetzen, die mit ihren Eltern in die Niederlande flüchtete, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, habe sie sehr bewegt. Zu Beginn des Drehs war Lea van Acken gerade noch 15, wurde währenddessen 16. Für ihre Rolle wurde sie als „Beste Nachwuchsdarstellerin“ im Jahr 2016 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

Theaterrolle in Cottbus

Das ist zehn Jahre her – und Lea van Acken blickt lieber nach vorn, auf aktuelle Rollen und Engagements. Am Wochenende vor unserem Treffen stand sie im Staatstheater Cottbus auf der Bühne. Dort wird seit dem 11. Oktober das Stück „Die schönste Version“ aufgeführt. Regie führt Sarah Kohm, die Lea van Acken als Gastschauspielerin zur Inszenierung eingeladen hat. In dem Stück geht es „um eine toxische Beziehung, darum, wie psychische Gewalt irgendwann auch körperlich wird – und wie die Protagonistin damit umgeht.“ Kein Stoff, der Distanz erlaubt. Kein Stoff, der sich leicht spielt. Lea van Acken spielt darin Shelly, die beste Freundin der Hauptfigur und deren innere Stimme. „Ich bin quasi das, was im Kopf passiert“, sagt sie. Diese Doppelung hat sie gereizt.

Lea van Acken zeigt sich selbstbewusst – und bezieht auch Stellung. Foto. Viktor Strasse

Die Premiere war im Oktober, seither sind die Vorstellungen ausverkauft. „Es ist wirklich jede Vorstellung rappelvoll“, sagt sie. Theater sei für sie eine radikal andere Erfahrung als Film. „Du bekommst das Feedback direkt. Das Lachen, die Stille, das Unruhigwerden im Saal – alles kommt sofort zurück.“ Gerade diese Unmittelbarkeit schätzt sie. „Gestern Abend war eine Vorstellung, die war wahnsinnig schön“, erzählt sie. „Das Publikum hat direkt reagiert, und diese Energie kommt als Spielerin sofort zurück.“ Gleichzeitig verlange das Theater eine andere Form von Konzentration. „Ich kenne das ganze Stück von vorne bis hinten auswendig. Beim Film arbeitest du in Fragmenten, hier trägst du den ganzen Abend.“ Kurz vor unserem Gespräch ist auch der Kinofilm „Wovon sollen wir träumen“ angelaufen. Ein Film, der ihr wichtig ist, wie sie sagt. Er erzählt die Geschichte von drei Frauen: einer Kurdin, einer Freigängerin und einer Polizistin, die häusliche Gewalt erlebt – und von Lea van Acken gespielt wird.

Handwerk über Jahre gelernt

Nachhaltigkeit sei ihr wichtig, sagt Lea van Acken. Foto: Viktor Strasse

Eine klassische Schauspielausbildung hat Lea van Acken nie absolviert. „Nein, ich habe keine Schauspielschule besucht“, sagt sie offen. Stattdessen habe sie ihr Handwerk über Jahre gelernt – durch Drehs, durch Improvisation, durch sehr unterschiedliche Regien. „Ich habe mir meine eigene Werkzeugkiste zusammengestellt.“ Theater habe ihr anfangs Respekt gemacht. „Ich dachte schon: Monologe, große Bühne – fehlt mir da nicht etwas?“ Doch die Rückmeldungen seien eindeutig gewesen. „Man hat mir gesagt, meine Stimme sei klar, meine Aussprache gut, meine Präsenz stimme. Das hat mir Sicherheit gegeben.“

Und, sieht sie sich heute noch als Nachwuchsschauspielerin? Sie überlegt kurz. „Auf der einen Seite mache ich das schon so lange, dass es eigentlich kein Nachwuchs mehr ist. Auf der anderen Seite gehöre ich natürlich zu einer jungen Generation.“ Der Begriff störe sie nicht. „Es ist auch ein Kompliment“, sagt sie. „Es heißt ja, dass man Frische mitbringt. Dass man wächst.“ Und dann fügt sie hinzu: „Wenn ich mit 70 noch einen Nachwuchspreis bekomme, freue ich mich vielleicht auch.“

Faible für Mode

Wer sich auf ihrem Instagram-Profil umschaut, dem fällt ihr Faible für Mode auf. Zu unserem Shooting brachte sie zwei Outfits mit. Mode, sagt sie, sei für sie keine Nebensache, sondern Teil ihres künstlerischen Ausdrucks. „Mode ist für mich auch eine Form von Rollenspiel“, sagt sie. „Eine Verlängerung des Schauspielens.“ Das zeigt sie sowohl auf dem roten Teppich, wie zuletzt beim Opening der Berlinale, als sie ein Kleid der Designerin Lou de Bétoly trug, als auch auf Instagram.

„Ich kann an einem Tag zart sein und am nächsten Tag Stärke zeigen – das ist auch Ausdruck von Freiheit.“ Instagram begreift sie dabei nicht als bloßes Marketinginstrument. „Natürlich bin ich da auch eine Figur“, sagt sie. „Aber es ist eine Figur, die ich selbst bestimme.“ Die Nähe, die soziale Medien erzeugen, empfinde sie als ambivalent. „Man ist näher dran – und gleichzeitig bleibt vieles eine Inszenierung.“ Genau deshalb, sagt sie, trage Öffentlichkeit Verantwortung. Dass derzeit über ein Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien diskutiert wird, findet Lea van Acken gut.

Berlinale als Pflichttermin

Andere Location, andere Kleidung: Lea van Acken mit dem Opel Astra ST Electric vor der “Schwangeren Auster” in Berlin. Foto: Viktor Strasse

Die diesjährige Berlinale war für sie ein Pflichttermin. Sie erlebte dabei ein Festival, auf dem nicht nur über Filme gesprochen wurde, sondern auch über Haltung. Besonders im Kontext des Kriegs in Gaza wurde die Frage laut, ob und wie sich Künstler und Künstlerinnen öffentlich äußern sollten. Für van Acken ist diese Debatte unausweichlich. „Ich glaube nicht, dass Kunst unpolitisch sein kann“, sagt sie klar. „Selbst wenn wir Comedy machen, nehmen wir Rollenbilder mit, Narrative, gesellschaftliche Bilder.“ In einer Zeit multipler Krisen sei Schweigen keine neutrale Position. „Ich finde, es ist eine Zeit, in der man nicht sagen kann: Das betrifft mich nicht.“ Gleichzeitig warnt sie vor Vereinfachung und moralischer Selbstüberhöhung. „Ich glaube nicht, dass man zu jedem Thema eine perfekte Antwort haben muss“, sagt sie. „Aber zu sagen, etwas sei per se unpolitisch – das funktioniert einfach nicht mehr.“

Diese Haltung endet für Lea van Acken nicht bei Worten. Sie engagiert sich seit Jahren für Klimaschutz, ist Nachhaltigkeitsbotschafterin des Filmpreises, setzt sich für umweltbewusste Filmproduktionen ein. „Das ist kein Charity-Thema“, sagt sie. „Das ist unsere Lebensgrundlage.“ Sie lebt überwiegend vegan, fährt privat mit dem Opel Combo ein Elektroauto, nutzt in Berlin aber häufig öffentliche Verkehrsmittel. „Ich versuche einfach, so bewusst wie möglich zu leben“, sagt sie. „Nicht perfekt – aber aufmerksam.“ Überwiegend vegan zu leben, sei für sie keine Pose, sondern Konsequenz. „Es fühlt sich für mich richtig an. Und es macht einen Unterschied – für mich und für das, was ich vertrete.“
Auch beim Thema Mode achtet sie auf Herkunft, Materialien, Wiederverwendung. Secondhand, lokale Designerinnen, langlebige Stücke – all das sei kein Widerspruch zu Ästhetik. „Ich glaube, wir müssen Wohlstand neu denken“, sagt sie. „Zeit, saubere Luft, ein entschleunigter Alltag – das ist auch Reichtum.“ Es gehe ihr nicht um moralische Überlegenheit. „Ich will niemandem sagen, wie er oder sie leben soll“, sagt sie. „Aber ich möchte zeigen, dass es möglich ist, bewusst zu leben – auch in dieser Branche.“ Nach etwas mehr als drei Stunden geht unser Treffen mit Lea van Acken zu Ende. Wir verabschieden uns von einer jungen Schauspielerin, die konsequent ihren Weg geht – und dabei Haltung zeigt.

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified.