Mit dem Raval hat Cupra einen neuen Einstiegsstromer im Angebot. Er soll bis zum Jahr 2028 das erfolgreichste Modell der Spanier werden, so Vertriebsvorstand Sven Schuwirth.
Der Cupra Raval ist das neue Einstiegsmodell der Spanier. Dem Kleinwagen kommt die Rolle eines Gamechanger zu. Er soll den Absatz der erfolgsverwöhnten Marke deutlich nach oben treiben. Die Kundinnen und Kunden scheinen geradezu auf dieses Modell gewartet zu haben. «Die Bestelleingänge sehen super aus. Sie sind besser als alles, was wir erwartet haben», sagt Cupra-Vertriebsvorstand Sven Schuwirth im gemeinsamen Interview mit dem Magazin electrified und der Autogazette.
«So einen Ansturm haben wir uns nicht träumen lassen. Ich bin jetzt fast 30 Jahre im Volkswagen Konzern tätig, doch so einen Launchstart habe ich noch nicht gesehen», fügte der Manager hinzu, der auch das Marketing verantwortet. Allein in diesem Jahr will man noch mehr als 30.000 Fahrzeuge ausliefern. Ab 2028 soll der Raval das meistverkaufte Fahrzeug der VW-Tochter werden, «und das wird uns auch gelingen». Derzeit nimmt diese Rolle der Formentor ein, von dem im Vorjahr über 104.000 Einheiten abgesetzt wurden.
Elektroanteil von 30 Prozent erwartet
Die Nachfrage nach Elektroautos gestaltet sich für Cupra bislang ausgesprochen erfolgreich. Mit seinen bisher zwei Modellen Born und Tavascan kam man im Vorjahr auf einen Anteil von 24 Prozent. Für dieses Jahr erwartet der Vertriebsvorstand eine Steigerung auf 30 Prozent. Auch wenn es noch Märkte in Südeuropa mit geringerer Nachfrage gibt, zeigt sich Schuwirth zuversichtlich, dass man in Europa bei der Elektromobilität den Tipping Point erleben werde.
Dass Cupra mit seiner Marketing-Strategie polarisiert, auch Kunden verprellt, nimmt man in Kauf. «Wenn wir versuchen, jede Frau und jeden Mann zu beglücken, wären wir nicht mehr Cupra», so der Vertriebschef. Man wolle kein Massenhersteller werden. «Wir wollen einen relevanten Marktanteil haben – drei Prozent bis 2030 in Europa –, aber nicht der größte Automobilhersteller werden. Unsere Rolle ist es, eine Marke für diejenigen zu sein, die ein Stück weit anders sein wollen, sich mit unseren Werten identifizieren.»
«Die Bestelleingänge sehen super aus»
electrified: Herr Schuwirth, Ihr Chef Markus Haupt hat den Cupra Raval als Gamechanger bezeichnet. Wird das Auto dem auch bei den Bestelleingängen gerecht.
Sven Schuwirth: Auf jeden Fall. Die Bestelleingänge sehen super aus. Sie sind besser als alles, was wir erwartet haben. So einen Ansturm haben wir uns nicht träumen lassen. Ich bin jetzt fast 30 Jahre im Volkswagen Konzern tätig, doch so einen Launchstart habe ich noch nicht gesehen.
electrified: Die Kundinnen haben also auf ein solches Einstiegsmodell von Cupra offensichtlich gewartet…
Schuwirth: …so kann man es sehen. Die Kundinnen und Kunden, die bestellt haben, haben das Auto zuvor noch nicht live gesehen, es steht ja erst seit der zweiten Juni-Woche bei den Händlern. Ich glaube, wir haben mit dem Raval den Zahn der Zeit getroffen. Die Bestelleingänge liegen deutlich über unseren Erwartungen.
electrified: Wie drückt sich das in Zahlen aus?
Schuwirth: Ich werde Ihnen keine genaue Zahl nennen. Ich kann Ihnen nur eines sagen: Wir wollen noch dieses Jahr etwas über 30.000 Autos ausliefern, deshalb haben wir bereits zusätzliche Produktionskapazitäten angefragt.
electrified: Wie viele Autos sollen es denn in einem vollen Jahr werden?
Schuwirth: Wir wollen, dass dieses Auto 2028 das meistverkaufte Cupra Modell wird – und das wird uns auch gelingen. Derzeit ist es der Formentor (2025 wurden 104.400 Einheiten abgesetzt. Anm. d. Red.).
«Thema Reichweite hat große Relevanz»
electrified: Überrascht Sie die hohe Nachfrage auch deshalb, weil Sie mit der größeren Batterie mit 52 kWh gestartet sind und nicht mit dem Raval mit dem günstigeren 37 kWh-Akku.
Schuwirth: Nein, wir sind von Anfang an davon ausgegangen, dass die größere Batterie am stärksten nachgefragt wird. Das Thema Reichweite hat für den Kunden nach wie vor eine große Relevanz, egal ob man das Auto als Erst-, Zweit- oder Drittwagen nutzt.
electrified: In der Folge des Iran-Kriegs sind die Spritpreise in die Höhe gegangen. Hat das die Nachfrage nach Elektroautos verstärkt?
Schuwirth: Ja, das war sicherlich ein wichtiger Effekt. Der Mindset vieler Menschen hat sich zudem geändert: Sie fragen sich nicht mehr, ob Elektromobilität richtig oder falsch ist. Diese Frage hat sich erübrigt. Elektromobilität ist die Zukunft, es gibt kein Zurück mehr.
«Werden nächstes Jahr Tippping Point erreichen»
electrified: Im Vorjahr lag der Anteil der Elektromobilität bei Cupra global bei 24 Prozent. Wo sehen Sie den Elektro-Anteil in diesem Jahr?
Schuwirth: Global gesehen werden ungefähr 30 Prozent unseres Cupra Volumens rein elektrische Autos sein. Von den verbleibenden Verbrennern sind dann noch einmal ungefähr die Hälfte Plug-in-Hybride.
electrified: Wo sehen Sie den Elektroanteil in diesem Jahr in Europa?
Schuwirth: Er könnte bei 30 Prozent liegen, auch wenn das von Markt zu Markt unterschiedlich sein wird. In Skandinavien sind es schon heute teils 80 bis 90 Prozent. In den Niederlanden wird es ab dem 1. Januar 2027 eine weitere Besteuerung für Verbrenner geben und Frankreich ist für Cupra quasi über Nacht zu einem 60- bis 70-Prozent-Vollelektromarkt geworden. Natürlich gibt es auch Märkte in Südeuropa, die noch hinterherhinken, aber auch dort steigt der Anteil. Ich bin mir aber sicher, dass wir in Europa im nächsten Jahr den Tipping Point erleben werden.
electrified: Braucht es angesichts dieses Markthochlaufs eigentlich noch eine Prämie für Elektroautos?
Schuwirth: Spritpreise sind volatil, man weiß nicht, wie sie morgen sind. Was wir vor allem brauchen, ist Konstanz. Wenn wir uns zurückerinnern, dass die damalige Bundesregierung quasi über Nacht die Prämie ausgesetzt hat, dann kann ich nur davor warnen, dass wir so etwas noch einmal tun. Wir brauchen Stabilität im gesamten europäischen Kontext.
«Das bleibt wahrscheinlich ein frommer Wunsch»
electrified: Diese Stabilität vermissen Sie?
Schuwirth: Mein Wunsch wäre, dass wir die Diskussionen „ja, nein, rein, raus“ beiseitelegen und uns darauf konzentrieren, konstante, harmonisierte Rahmenbedingungen zu schaffen. Skandinavien hat das relativ still geschafft. Davon könnten wir uns in Europa etwas abschauen: Konstanz, eine Fiskalpolitik, die die Transformation nachhaltig unterstützt – auch zum Wohl der europäischen Autoindustrie. Ein zweiter Wunsch wäre, dass wir uns in Europa bei der Fiskalpolitik stärker harmonisieren. Für einen OEM ist es sehr komplex, 27 EU-Staaten mit dauernd wechselnden Rahmenbedingungen zu beliefern.
electrified: Kann so etwas gelingen?
Schuwirth: Ich weiß, das bleibt wahrscheinlich ein frommer Wunsch. Aber wenn uns das gelingt, hätten wir über die 27 Länder der EU ein Asset, um die europäische Automobilindustrie richtig aufzustellen und keine Angst vor Wettbewerbern zu haben. Dafür stehen wir: fairer Handel, Konstanz, Kontinuität und Harmonisierung.
electrified: Sie haben die Weltpremiere des Raval parallel in zwölf Städten gefeiert. Warum dieser Aufwand?
Schuwirth: Der organisatorische Aufwand, zwölf Städte zeitgleich zu orchestrieren, war hoch. Aber es hat sich gelohnt. Es hat gezeigt, dass man ein Auto anders inszenieren kann. Wir wollten etwas anderes als eine klassische Weltpremiere machen, wo wir das Auto auf eine Bühne stellen und 20 Minuten lang eine Rede halten.
«Auto wird Bühne für ein Happening»
electrified: Warum, weil das nicht zur Marke passt?
Schuwirth: Mit einer solchen Inszenierung treffen wir nicht den Mindset. Wir wollten das Auto dahin bringen, wo unsere Zielgruppe ist, und es zu einem integralen Bestandteil urbaner Popkultur machen. Das Auto wird Bühne für ein Happening. Das haben wir wörtlich genommen und Talente, Musiker und kommende Stars aufs Auto gestellt.
electrified: Wollen Sie nur noch hippe junge Leute erreichen?
Schuwirth: Nein, natürlich nicht. Man muss eine Zielgruppe bewusst ansprechen. Ich kann nur für mich sprechen: Trotz meiner weißen und immer weniger werdenden Haare fühle ich mich deutlich jünger, als ich aussehe. Ich glaube, darum geht es. Wir müssen einen gewissen Mindset vermitteln. Cupra soll für jugendlichen Spirit stehen, und das ist nicht zwingend an das Geburtsdatum im Personalausweis gekoppelt.
electrified: Aber Sie positionieren das Auto schon spitz?
Schuwirth: Marketingseitig positionieren wir das Auto schon spitzer, wohl wissend, dass es nicht nur für diese Klientel ist. Es kann genauso gut Zweit- oder Drittwagen sein. Wir wissen auch, dass der Halter des Fahrzeugs nicht immer der tatsächliche Nutzer ist. Wenn ich als Familienvater das Auto auf mich zulasse, aber mein 22-jähriger Sohn es nutzt, ist die Zielgruppenfrage schwieriger. Außerdem haben Kinder und Jugendliche einen immer größeren Einfluss auf die Autowahl der Eltern.
«Der Erfolg von Cupra gibt uns Recht»
electrified: Sie setzen im Marketing auf Musik, positionieren sich als rebellische Marke, die nicht von jedem geliebt werden will. Nimmt man damit nicht in Kauf, Käufergruppen zu verprellen?
Schuwirth: Der Erfolg von Cupra gibt uns Recht, wir wollen unseren Werten treu bleiben. Wenn wir versuchen, jede Frau und jeden Mann zu beglücken, wären wir nicht mehr Cupra. Wir wollen kein Massenhersteller werden. Wir wollen einen relevanten Marktanteil haben – drei Prozent bis 2030 in Europa –, aber nicht der größte Automobilhersteller werden. Unsere Rolle ist es, eine Marke für diejenigen zu sein, die ein Stück weit anders sein wollen, sich mit unseren Werten identifizieren. Wir fokussieren uns bewusst auf unsere Klientel, wohl wissend, dass es nicht jedermanns Sache ist.
electrified: Wie beschreiben Sie die Marke in drei Worten?
Schuwirth: Challenger, Performance und emotionales Design. Wenn ich ein viertes Wort ergänzen darf: Tribe. Das sind die Säulen der Marke.
electrified: Sie haben den Raval nach dem Stadtviertel El Raval in Barcelona benannt. Warum nach einem Touristenviertel?
Schuwirth: Man könnte böse sagen: Ganz Barcelona ist touristisch. Ich lebe selbst in Barcelona. Aber man muss sich auch fragen, warum so viele Touristen nach Barcelona kommen. Es ist nicht nur die Lage am Wasser. Dahinter steckt dieses Potpourri aus Architektur, Design, Musik, Kunst. Genau dieser Mix macht es aus – und das wollen wir mit der Marketingkampagne „University of the Streets“ transportieren. Klassische Muster wie schön, arm, reich oder klassisch gehören der Vergangenheit an. Wenn man sich ansieht, wie Städte sich entwickeln – auch in Deutschland, etwa Berlin oder das Glockenbachviertel in München –, sieht man, wie Kultur entsteht und eine Stadt prägt. Außerdem haben wir die Philosophie, unsere Namen aus dem Barcelona-Kontext zu entwickeln, weil wir sagen: „Inspire the world from Barcelona.“
«Aktuell sehen wir keine Kannibalisierung»
electrified: Sie sprechen den Born an, der gerade ein Facelift erhielt und sich im Vorjahr 43.000 Mal verkaufte. Gibt es einen Kannibalisierungseffekt zum Raval?
Schuwirth: Aktuell sehen wir keine Kannibalisierung. Ich bin selbst lange Born gefahren. Das Auto fährt anders, ist größer, hat mehr Reichweite und spricht eine andere Zielgruppe an – es ist ein Stück erwachsener. Es ist schön, dieses komplette Portfolio zu haben: Raval, Born, Tavascan.
electrified: VW hat den GTI, Cupra den VZ. War es klar, dass es auch in der Kleinwagenklasse des Raval einen VZ gibt?
Schuwirth: Ja, da gab es überhaupt keine Diskussionen. Es wird in jedem Cupra Modell eine VZ-Version geben.
electrified: Auf welchen Anteil soll sie beim Raval kommen?
Schuwirth: Grundsätzlich liegen die VZ-Anteile bei allen unseren Modellen im zweistelligen Bereich. Das wird beim Raval auch so sein. Es kann ja auch noch etwas über dem Raval VZ geben, beim Formentor haben wir ja den VZ5. Lassen Sie sich überraschen.
electrified: Der hohe Preis des VZ schreckt die Kunden nicht ab?
Schuwirth: Wir sind nach wie vor zu sehr auf den Listenpreis orientiert. Tatsache ist, dass über 90 Prozent der Elektroautos geleast werden. Die monatliche Rate ist viel ausschlaggebender als der Listenpreis. Und da bieten wir attraktive Konditionen.
«Eroberte Kunden stärker loyalisieren»
electrified: Cupra konnte im ersten Quartal rund 79.000 Einheiten absetzen und der März war sogar der stärkste in der Markengeschichte. Wie lange kann so ein Wachstum weitergehen?
Schuwirth: Irgendwann geht das rein mathematisch nicht mehr. Hohe zweistellige Prozentwerte werden irgendwann einstellig. Wir werden weiter kontinuierlich wachsen. Letztes Jahr hatten wir 2,2 Prozent Marktanteil in Gesamteuropa. Richtung 2030 wollen wir wie gesagt auf drei Prozent gehen. Dieses Jahr wollen wir etwas drauflegen, nächstes Jahr mit dem ersten vollen Jahr des Raval weitergehen. Wir sind guter Dinge, dieses Momentum und die Marke weiter heiß zu halten. Wichtig ist, eroberte Kunden stärker zu loyalisieren – nicht nur über klassische Instrumente, sondern auch über die emotionale Komponente, den Tribe-Gedanken.
electrified: Deutschland ist nach wie vor Ihr wichtigster Markt. Welche Länder folgen danach?
Schuwirth: Die klassischen EU-4-Märkte: Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien mittlerweile auch. Dann Österreich, Dänemark, Polen. Das Schöne ist: Es ist nicht mehr nur der eine Markt. Deutschland ist natürlich der größte Markt in Europa. Umso erstaunlicher ist es, als ursprünglich spanische Marke in Deutschland als kompetitivstem Markt Europas so stark Fuß zu fassen. So etwas ist nicht einfach.
Das Interview mit Sven Schuwirth führte Frank Mertens





