Mit dem Ioniq 3 erweitert Hyundai sein Elektroangebot in einem wichtigen Marktsegment. Deutschlandchef Andreas Zürnstein erwartet eine weiter steigende Nachfrage nach Stromern und will den Elektroanteil der Marke bis Jahresende auf 35 Prozent steigern.
Der südkoreanische Autobauer Hyundai strebt in diesem Jahr auf dem deutschen Markt einen Elektroautoanteil von rund 35 Prozent bei den eigenen Neuzulassungen an. Nach neuen Monaten liegt der südkoreanische Autobauer bei einem Anteil von gut 31 Prozent.
«Dieser Anteil zeigt, dass unsere Strategie greift. Hyundai liegt beim BEV-Anteil konstant über dem Gesamtmarkt. Das verdanken wir einem breiten Angebot vom Inster über Kona Elektro, Ioniq 5 und Ioniq 6 bis zum Ioniq 9 und Staria Elektro», sagte Detschlandchef Andreas Zürnstein in einem gemeinsamen Interview mit electrified und der Autogazette.
Ioniq 3 komplettiert E-Angebot
Mit dem neuen Ioniq 3 komplettiert der Hersteller sein Angebot im elektrischen B-Segment. Damit schaffe man die „Basis für weiteres Wachstum», fügte der Manager hinzu. «Mit der Einführung des Ioniq 3 sind wir jetzt elektrisch in allen relevanten Segmenten vertreten. Sowohl der Inster als auch der Ioniq 3 erweitern unser Elektroangebot in wichtigen Segmenten und bringen zusätzliches Volumen», sagte der Deutschlandchef.
Zürnstein zeigte sich zuversichtlich, dass sich der neue Stromer von Hyundai als relevante Größe im Markt etabliert. Der Manager erwartet, dass sich die Kundinnen und Kunden beim Ioniq 3 überwiegend für die große Batterie mit einer Kapazität von 61 kWh entscheiden werden.
«Mit Ioniq 3 setzen wir neue Maßstäbe»
Electrified: Herr Zürnstein, Hyundai bringt mit dem Ioniq 3 ein neues E-Modell auf den Markt. Auf welchen Absatz muss das neue Modell in einem vollen Jahr kommen, damit Sie von einem Erfolg sprechen?
Andreas Zürnstein: Mit dem Inster haben wir gezeigt, wie erfolgreich E-Mobilität sein kann, wenn es das richtige Angebot für die Kunden ist. Mit dem Ioniq 3 wollen wir unsere starke Position bei Elektrofahrzeugen weiter ausbauen. Die Voraussetzungen, dass er sich als relevante Größe im Markt etabliert, sind gut: Er wurde in Deutschland entwickelt, zugeschnitten auf die Bedürfnisse europäischer Kunden, kombiniert klassenführende Reichweite mit großzügigem Platzangebot, moderner Konnektivität und einem Einstiegspreis unter 30.000 Euro.
«65 Prozent werden sich für größere Batterie entscheiden»
Electrified: Warum soll ein Kunde 28.950 Euro für den Ioniq 3 bezahlen, wenn der ID. Polo bei rund 25.000 Euro startet? Selbst der technisch verwandte EV2 Ihrer Konzernschwester Kia ist über 2000 Euro günstiger.
Zürnstein: Wir haben bereits ein Einstiegs-E-Auto im Portfolio, den Inster, und das bereits seit 1,5 Jahren, also lange vor dem Wettbewerb. Mit dem Ioniq 3 setzen wir neue Maßstäbe im Segment der E-Kleinwagen: mit mehr Platz, mehr Reichweite, mehr Kofferraum und mehr Konnektivität – und damit mehr Alltagstauglichkeit als der Wettbewerb. Gemeinsam mit dem Inster haben Kunden bei uns die Wahl zwischen zwei E-Autos unter 30.000 Euro.
Electrified: Sie bieten den Ioniq 3 mit zwei Batteriegrößen an, einem 42 und einem 61 kWh großem Akku. Welche Verteilung erwarten Sie?
Zürnstein: Beide Varianten werden ihre Käufer finden: Die 42-kWh-Batterie ist besonders attraktiv für preisbewusste Kunden und den Stadtverkehr. Die 61-kWh-Version mit bis zu 497 Kilometern spricht Kunden mit einem längeren Fahrprofil an, die mehr Reichweite wünschen. Wir rechnen damit, dass ca. 65 Prozent sich für die größere Batterie entscheiden. Hier bieten wir eine Besonderheit: Im Gegensatz zum Wettbewerb gibt es beide Batteriegrößen in der Einstiegsausstattung “Select”, mit dem Ergebnis, dass die große Batterie Käufern so viel Reichweite für ihr Geld bietet wie kein anderes Modell im Segment.
«Der Inster ist eine echte Erfolgsgeschichte»

Der Hyundai Inster soll unter 24.000 Euro kosten. Wir waren mit ihm in Frankfurt unterwegs. Foto: M.G.Koetter
Electrified: Der Inster ist per September mit 10.122 Neuzulassungen das erfolgreichste E-Modell bei Hyundai. Wird der Ioniq 3 daran etwas ändern?
Zürnstein: Der Inster ist eine echte Erfolgsgeschichte und hat Hyundai im Segment der kleinen Elektrofahrzeuge stark positioniert. Er kam bereits rund eineinhalb Jahre vor vielen angekündigten Wettbewerbsmodellen in der Preisklasse unter 25.000 Euro auf den Markt. Auch die Förderanträge zeigen seine Relevanz: Der Inster gehört zu den Top-5-Modellen mit den meisten Anträgen. Der Ioniq 3 tritt nicht gegen ihn an, sondern ergänzt unser E-Auto-Angebot. Gemeinsam erschließen beide Modelle unterschiedliche Kundengruppen. Mit der Einführung des Ioniq 3 sind wir jetzt elektrisch in allen relevanten Segmenten vertreten. Sowohl der Inster als auch der Ioniq 3 erweitern unser Elektroangebot in wichtigen Segmenten und bringen zusätzliches Volumen.
Electrified: Sie kommen nach neun Monaten auf einen E-Anteil von über 31 Prozent an ihren Neuzulassungen von insgesamt 71.400. Stellt sie dieser Anteil angesichts Ihres breiten E-Angebots zufrieden?
Zürnstein: Dieser Anteil zeigt, dass unsere Strategie greift. Hyundai liegt beim BEV-Anteil konstant über dem Gesamtmarkt. Das verdanken wir einem breiten Angebot vom Inster über Kona Elektro, Ioniq 5 und Ioniq 6 bis zum Ioniq 9 und Staria Elektro. Mit dem Ioniq 3 komplettieren wir unser Angebot im elektrischen B-Segment und schaffen die Basis für weiteres Wachstum.
«Seit Frühjahr stetig steigende E-Nachfrage»
Electrified: Der Zulassungsanteil der BEVs lag im September bei fast 34,5 Prozent. Wo sehen Sie den Markt Ende des Jahres?
Zürnstein: Der Septemberwert unterstreicht die aktuelle Dynamik. Wir erwarten, dass Elektrofahrzeuge ihren Anteil weiter ausbauen, bedingt durch mehr Modelle, attraktive Förderung sowie deutlich gestiegene Benzin- und Dieselpreise. Daher kommt der Ioniq 3 genau zur richtigen Zeit. Seit dem Frühjahr sehen wir eine stetig steigende E-Nachfrage.
Electrified: Und bei welchem E-Anteil sehen Sie Hyundai Ende 2026?
Zürnstein: Unser BEV-Anteil liegt bereits heute bei über 31 Prozent. Mit dem Ioniq 3 und dem Staria Elektro kommen zusätzliche Impulse hinzu. Ich denke, wir werden uns in Richtung 35 Prozent bewegen bis zum Jahresende.
Electrified: Worauf führen Sie die hohe Nachfrage nach E-Autos zurück? Insbesondere auf die gestiegenen Spritpreise?
Zürnstein: Die gestiegenen Kraftstoffpreise sind ein Faktor. Viele Kunden rechnen wieder genauer: Bei Benzinpreisen von rund 2,30 Euro pro Liter gewinnt ein Strompreis von rund 35 Cent pro Kilowattstunde deutlich an Bedeutung. Hinzu kommt eine Förderung, die im Markt ankommt. Entscheidend ist, dass Elektroautos für immer mehr Menschen erreichbar und relevant werden. Reichweiten steigen, das Laden wird komfortabler und das Angebot wächst in volumenstarken Segmenten. Wenn Preis, Reichweite und Nutzwert zusammenpassen, entscheiden sich deutlich mehr Kunden für ein Elektroauto.
«Erwarten im vierten Quartal zusätzliche Impulse»
Electrified: Die chinesischen Mitbewerber bieten seit Monaten enorm hohe Rabatte. Wie lange können Sie sich einem solchen Preiskampf entziehen?
Zürnstein: Wettbewerb gehört zum Markt und spornt uns an, solange er fair ist. Wir werden uns aber nicht an einem kurzfristigen Rabattwettbewerb beteiligen, der Restwerte, Händlerprofitabilität und Kundenvertrauen beschädigt. Hyundai steht für ein starkes Gesamtpaket aus Produktqualität, Technologie, Preis-Leistungs-Verhältnis, Garantie sowie einem etablierten Händler- und Servicenetz.
Electrified: Sie liegen nach neun Monaten mit 71.400 Neuzulassungen mit 0,9 Prozent knapp im Plus. Erwarten Sie für das vierte Quartal noch einen Push für die Marke?
Zürnstein: Wir erwarten im vierten Quartal vor allem durch den Marktstart des Ioniq 3 zusätzliche Impulse, begleitet durch den Endspurt vom Tucson und Bayon, deren neue Generationen Anfang 2027 auf den Markt kommen werden. Das ist der Anfang unserer Produktoffensive: Bis Ende 2027 werden wir mehr als 70 Prozent unseres Verkaufsvolumens erneuert haben.
Das Interview mit Andreas Zürnstein führte Frank Mertens




