Elektro

Xpeng P7+: Spaß nicht nur an der Ladesäule

Aerodynamisch bis ins Detail optimiert: der Xpeng P7+. Foto: Xpeng

Das chinesische Technologieunternehmen Xpeng hat den P7 signifikant überarbeitet. Nach dem Facelift fährt das Modell als P7+ vor – und überzeugt nicht nur mit seinem Ladetempo.

Das Plus in der Modellbezeichnung macht den Unterschied. Nachdem der P7 von Xpeng bei den Kundinnen und Kunden der Marke im vergangenen Jahr keinen großen Anklang fand, hat das chinesische Technologieunternehmen das Modell grundlegend überarbeitet. So fährt die Limousine nun als Xpeng 7+ vor – und hat im Gegensatz zum Vorgänger nun u.a. eine 800 Volt-Architektur an Bord und verfügt über mehr Platz.


Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Xpeng-Geschäftsführer Markus Schrick mit Blick auf die Absatzchancen des P7+, dessen Vorgänger im Vorjahr gerade einmal auf 5,2 Prozent des Gesamtabsatzes von 2991 Neuzulassungen der Marke in Deutschland kam. Mit weitem Abstand rangierte der G6 (1664 Neuzulassungen/55,6 Prozent) und das Flaggschiff G9 (1172/39,2 Prozent) vor dem P7. In diesem Jahr traut Schrick dem P7+ nach der umfassenden Modellüberarbeitung einen Zulassungsanteil um die 10 bis 15 Prozent zu.

P7+ soll Wachstum steigern

Ohnehin hat Schrick mit der Marke in diesem Jahr einiges vor. Nach den rund 3000 Neuzulassungen des Vorjahres sollen es dieses Jahr schon 8000 Neuzulassungen werden. In 2027 peilt der Deutschlandchef schon 15.000 Einheiten an. Das Wachstum befördern soll dabei auch der Ausbau des Händlernetzes: bisher ist Xpeng bundesweit an 62 Standorten vertreten, 110 sollen es werden. Dazu gehören auch Händler, die sonst auch Premiumfahrzeuge von BMW vertreiben, wie beispielsweise das Autohaus Nefzger in Berlin. Auf lange Lieferzeiten müssen sich Xpeng-Kunden übrigens nicht einstellen müssen. Sie liegen bei drei bis vier Wochen, so Schrick. Gefertigt werden die Autos bei Magna-Steyr in Graz, lange Transportwege per Schiff entfallen damit.

Dass Xpeng in China auch Kooperationspartner von VW ist und dort gerade als erstes gemeinsam entwickelte Modell den VW Uniyx 08 auf den Markt bringt, helfe in der Ansprache neuer Partner, so Schrick.

Attraktiver Einstiegspreis

Vor allem aber müssen die Modelle der Marke überzeugen. G6 und G9 haben bereits ein Upgrade zum neuen Modelljahr bekommen, nun also folgt der neu konzipierte P7+, den die Chinesen zu einem Einstiegspreis von 46.600 Euro anbieten. Dafür bekommen die Kundinnen und Kunden ein Elektromodell, das mit viel Platz und einer Verarbeitung im Innenraum aufwartet, die sich auf dem Niveau deutscher Marken bewegt. Mit einer Länge von 5,07 Meter und einem Radstand von exakt drei Metern wartet auf die Passagiere ein gutes Raumgefühl. Damit können selbst Großgewachsene im Fond sehr bequem sitzen – und damit langen Urlaubsfahrten entspannt entgegen blicken. Dieses Auto ist mit einem Kofferraumvolumen von 573 Litern zudem ideal für Familien. Legt man die Rückbank um, entsteht sogar ein Laderaum von 1931 Liter – und das bei nahezu ebenem Boden. Durch den Platz, die gute Verarbeitungsqualität und das Panoramaglasdach entsteht im Innenraum eine Wohlfühlatmosphäre. Passend dazu ist das Geräuschniveau dank guter Dämmung ausgesprochen niedrig, selbst auf der Autobahn.

Die Chinesen sehen sich übrigens nicht als Autobauer, sondern als Tech-Unternehmen, man baut Roboter und arbeitet an fliegenden Autos. Entsprechend steht Software und künstliche Intelligenz bei den Xpeng-Modellen ganz oben auf der Prioritätenliste. Mit Blick auf den P7+ verweist man darauf, dass es das erste KI-definierte Fahrzeug der Marke sei. So kommt in der Fastback-Limousine nicht nur die neue Computing-Plattform zum Einsatz, sondern auch ein Hochleistungschip: die Prozessoren und die 25 rund ums Fahrzeug verbauten Sensoren samt Radar und Kameras sorgen dafür, dass komplexe Verkehrssituationen frühzeitig erkannt werden und die Systeme entsprechend darauf reagieren.

Cockpit aufs Wesentliche reduziert

Das Gros der Einstellungen erfolgt im Xpeng P7+ über das Touchscreen. Foto: Xpeng

Das Cockpit im P7+ ist aufs Wesentliche reduziert, am Lenkrad finden sich ein paar Tasten samt Drehregler für die Lautstärke, sonst erfolgt die Bedienung über den 15,6 Zoll-Zentraldisplay; das Fahrerdisplay hat eine Größe von 8,8 Zoll. Die Bedienung – eine gute Einweisung bei der Fahrzeugübergabe vorausgesetzt – ist einfach. Wichtige Fahrzeugfunktionen lassen sich durch einen Wisch nach unten auf dem Touchscreen auf einer Übersichtsseite darstellen. Dort findet sich auch das Menü für die Spiegeleinstellung. Gut, das ist gewöhnungsbedürftig, aber geht letztlich reibungslos. In der Mittelkonsole gibt es übrigens zwei induktive und belüftete Ladeflächen für das Smartphone.

Unterwegs ist unser Testwagen mit einem 313 PS starken Elektromotor und einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmetern. Das reicht für den kraftvollen Antritt in diesem 2,1 Tonnen schweren Stromer. Mit diesem Leistungsniveau lässt er sich sportlich bewegen: 6,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100 und die Spitzengeschwindigkeit ist bei 200 k/h erreicht. Die Lenkung und das Fahrwerk sind stimmig, agieren so, wie man es erwartet.

Effizienter Verbrauch

Das Dach spannt sich in einem weit gestreckten Bogen über den geräumigen Innenraum des P7+ von Xpeng. Foto: Xpeng

Wer indes meint, diese Leistung voll ausschöpfen zu müssen, für den liegt der WLTP-Verbrauch von 16,4 kWh/100 km in weiter Ferne. Wer es etwas bedächtiger angehen lässt, der kommt wie wir bei unseren Testfahrten sogar auf ein Verbrauch von 14,3 kWh/100. Angesichts diese Verbrauchs erscheint eine Reichweite von 530 Kilometer im Sommer mit der 74,9 kW großen LFP-Batterie realistisch zu sein. Diese Effizienz ist für ein Fahrzeug mit dieser Leistung eine Ansage. Mit Blick auf die Verbrauchsoptimierung wurde auch einiges getan, beispielsweise liegt der cW-Wert bei gerade einmal 0,21.

Den Einstieg in die P7+-Welt bildet übrigens die Variante Standard Range mit 245 PS und einer 61,7 kW-Batterie (Reichweite 455 km) für besagte 46.600 Euro. Unser Testwagen in der Long Range-Variante kostet 49.600 Euro und wer Allrad mag, der kann die AWD Performance-Version wählen. Sie hat 503 PS, eine Reichweite von 500 Kilometer und steht mit 53.600 Euro in der Preisliste.

Eines gemeinsam haben alle Varianten: sie laden ultraschnell. Während die Einstiegsversion maximal mit 350 kW lädt, sind es bei den anderen Varianten 446 kW. So vergehen bei unserem Testwagen gerade einmal zwölf Minuten für die Aufladung von 10 auf 80 Prozent. Mit diesem Gesamtpaket bringt der P7+ alles mit, um den Absatz seines Vorgängers deutlich zu überbieten.

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified.