Interviews

Markus Haupt: Seat ergänzt Cupra sehr gut

Cupra-Chef Markus Haupt (r.) im Gespräch mit Frank Mertens. Foto: Cupra

Der Cupra Raval ist der neue Einstiegsstromer der Marke. Im Interview spricht Vorstandschef Markus Haupt über den neuen Raval, die Transformation, en Markthochlauf der E-Mobilität, aber auch über die Zukunft von Seat.

Der VW-Konzern bringt in den kommenden Monaten gleich vier neue Elektromodelle von drei Marken auf den Markt. Den Auftakt macht der Cupra Raval, der ab Sommer für einen Preis von knapp unter 26.000 Euro angeboten wird. Danach folgen der VW ID. Polo, der ID. Cross und der Skoda Epiq.


Markus Haupt verspricht sich viel von dem neuen Einstiegsstromer. Für den Vorstandschef der Marken Cupra und Seat ist der Raval «ein Gamechanger, weil er in Substanz und Ausstattung Dinge mitbringt, die man sonst nur aus höheren Segmenten kennt», wie Haupt im gemeinsamen Interview mit dem Magazin electrified und der Autogazette sagte. Mit ihm biete man seinen Kundinnen und Kunden «etwas, was die anderen nicht anbieten». Haupt geht davon aus, dass der Raval unter den E-Autos von Cupra (dazu gehören noch der Born und Tavascan) zum Besteller aufsteigt. «Die Kaufprämie in Deutschland, unserem wichtigsten Markt, wird uns dabei unterstützen.»

E-Anteil von über 30 Prozent erwartet

Haupt erwartet auch aufgrund der neuen E-Modelle aus dem VW-Konzern einen deutlich steigenden Marktanteil für batterie-elektrische Fahrzeuge (BEVs) in Europa und entsprechend in Deutschland. «Es kommen jetzt vier neue Fahrzeuge von drei Marken. Sie nutzen zwar die gleiche Plattform, aber die Differenzierung zwischen den Modellen ist klar zu sehen. Jede Marke bleibt sich treu und wir sind uns in der Brand Core Group sicher, dass wir mit diesen Fahrzeugen den Markt ankurbeln können.»

Nachdem BEVs in Europa im Vorjahr auf einen Anteil von über 17 Prozent kamen, spricht der Cupra-Chef für 2026 von einer Mindestanforderung von 25 Prozent. «Und in Deutschland sollte die E-Prämie dafür sorgen, dass der Anteil über 30 Prozent hinaus geht.»

«Es ist ohne Frage eines der besten Autos im Segment»

Der neue Raval von Cupra kostet knapp unter 26.000 Euro. Foto: Cupra

Electrified: Herr Haupt, haben Sie in den zurückliegenden Monaten neidisch auf ihre Konkurrenz wie beispielsweise von Renault oder Citroen geschaut, die Elektroautos um die und sogar unter 25.000 Euro auf den Markt gebracht haben?

Markus Haupt: Wir haben in den zurückliegenden Monaten den Launch des Cupra Raval vorbereitet, darauf lag unsere Konzentration. Dieses Fahrzeug stellt die größte Transformation unseres Unternehmens dar. Nun stehen wir vor dem fertigen Fahrzeug und dürfen es der Welt präsentieren. Ich freue mich sagen zu können: das ist ohne Frage eines der besten Autos in seinem Segment. Von daher besteht kein Neid, ich freue mich vielmehr auf den offenen Wettbewerb.

Electrified: Der Volkswagen Konzern bietet E-Autos zu einem Preis um die 25.000/26.000 Euro erst ab der zweiten Jahreshälfte an. Hätten die nicht schon eher kommen müssen?

Haupt: Wenn man sich die Marktentwicklungen in den unterschiedlichen Ländern anschaut, dann glaube ich, dass wir genau zum richtigen Zeitpunkt mit diesen Fahrzeugen kommen. Zudem können wir unseren Kundinnen und Kunden mit dem Born und dem Tavascan bereits ein Elektroangebot machen, das in vielen Märkten gut angenommen wird. Und nun kommt der Raval, der für uns ein Gamechanger ist. Wir starten bei diesem Fahrzeug mit einem Preis von 26.000 Euro. Wir nennen das Demokratisierung der Elektrifizierung. Es wird bei denen die Türen zur Technologie öffnen, die derzeit noch skeptisch sind.

«Jede Marke bleibt sich treu»

Electrified: Sie sprechen beim Raval von einem Gamechanger. Ist das angesichts der Konkurrenz nicht ein Marketingversprechen? Ein Dolphin Surf oder ein Citroen e-C3 wird für rund 23.000 Euro angeboten, sie kosten mindestens 26.000 Euro…

Haupt: …wir sind ja auch Cupra und bieten etwas, was die anderen nicht anbieten. Entsprechend positionieren wir auch den Raval. Er ist ein Gamechanger, weil er in Substanz und Ausstattung Dinge mitbringt, die man sonst nur aus höheren Segmenten kennt. Er hat kompakte Abmaße von vier Metern und fährt mit der Cupra DNA vor. Da ist das Interieur- und das Exterieur-Design, da ist die sportliche Performance und die Inspiration aus der Formel E, die wir mit dem Innenraumsound ins Fahrzeug gebracht haben. Von daher glauben wir, dass wir den perfekten Sweetspot treffen und deshalb sprechen wir auch von einem Gamechanger.

Electrified: Der Volkswagen Konzern kommt zeitversetzt nach dem Raval mit dem VW ID. Polo/VW ID.Cross und dem Skoda Epiq mit weiteren Modellen. Sind das Modelle, die den Markthochlauf der E-Mobilität beschleunigen?

Haupt: Ja, davon sind wir überzeugt. Es kommen jetzt vier neue Fahrzeuge von drei Marken. Sie nutzen zwar die gleiche Plattform, aber die Differenzierung zwischen den Modellen ist klar zu sehen. Jede Marke bleibt sich treu und wir sind uns in der Brand Core Group sicher, dass wir mit diesen Fahrzeugen den Markt ankurbeln können.

«Wir haben uns flexibel aufgestellt»

Natürlich mit Sportsitzen: der Innenraum des neuen Cupra Raval. Foto: Cupra

Electrified: Die Einstiegsversion des Cupra Raval kostet 26.000 Euro, hat eine 37 kWh große LFP-Batterie mit einer Reichweite von 300 Kilometer. Wie positionieren Sie das Fahrzeug, als reines Stadtauto?

Haupt: Wir bieten ja zwei Batterien mit zwei Technologien und unterschiedlichen Leistungsstufen an: Einmal die LFP-Batterie mit 37 kWh, zum anderen die 52 kWh NMC-Batterie mit bis zu 450 Kilometer. Und ja, die Einstiegsversion ist eher für den Kunden gedacht, der vor allem urban unterwegs ist. Der ist mit der kleinen Batterie bestens bedient.

Derjenige, der auch mal einen Ausflug in die Berge machen will, der greift sicher auf die große Batterie zurück und bekommt zugleich noch mehr Fahrspaß geliefert.
Electrified: Welche Verteilung zwischen den beiden Batteriegrößen erwarten Sie?
Haupt: Wir haben uns da flexibel aufgestellt. Wir machen dem Kunden unterschiedliche Angebote, weil er von Land zu Land unterschiedlich Bedürfnisse hat…

Electrified: Sie starten aber mit der größeren Batterie…

Haupt: …genau, die Autos werden im Sommer in die Märkte kommen.

Electrified: Wann genau?

Haupt: Wir befinden uns noch in der Anlaufphase. Ab Sommer werden die Kunden das Auto aber kaufen können. Mit der Weltpremiere am 9. April haben wir den Online-Konfigurator geöffnet.

«Einheitszellen kommen erstmals zum Einsatz»

Electrified: Bei den NMC-Batterien handelt es sich um die Einheitszelle?

Haupt: Genau, das sind die neuen Batterien mit der Einheitszelle, die erstmals in diesen Fahrzeugen zum Einsatz kommt.

Electrified: Sie bieten den Raval mit unterschiedlichen Leistungsstufen an: 116 PS,135 PS und mit 211 PS und mit 226 PS in der VZ-Variante. Welche Take-Rate erwarten Sie vom VZ?

Haupt: Wir wünschen uns hier natürlich eine hohe Take-Rate. Es ist das Fahrzeug, das die Marke Cupra mit seiner Performance und einer Leistung von 226 PS am besten verkörpert. Wir haben eine Beschleunigung von 0 auf 100 in unter 7 Sekunden Die Fahrdynamik ist großartig, Kurvenfahrten machen richtig viel Spaß; wir haben beispielsweise eine Vorderachssperre verbaut.

Electrified: Der Elektroanteil bei Cupra lag im Vorjahr bei über 24 Prozent, wo erwarten Sie ihn in diesem Jahr?

Haupt: Wir möchten, dass der Raval unter den E-Autos unser Bestseller wird. Die Kaufprämie in Deutschland, unserem wichtigsten Markt, wird uns dabei unterstützen, aber auch Spanien hat jetzt eine Kaufprämie. Der Raval ist mit Blick auf die CO2-Reduktion, die Dekarbonisierung, enorm wichtig. Deshalb setzen wir auf ihn große Hoffnungen.

«CO2-Entwicklung an reale Marktentwicklung anpassen»

Electrified: Im Vorjahr lag der BEV-Anteil bei leicht über 24 Prozent. Was ist für dieses Jahr geplant?

Haupt: Das ist ein Blick in die Glaskugel. Mit Blick auf die CO2-Flottengrenzwerte gibt es keinen anderen Weg, als dass wir mehr und mehr E-Autos verkaufen. Und unser Bekenntnis zur Elektromobilität ist stärker denn je. Aber am Ende entscheidet der Kunde.

Electrified: Sie haben das Werk in Martorell mit drei Milliarden Euro auf die Produktion von E-Autos umgerüstet. Nun hat Brüssel das Verbrenner-Aus auf 2035 aufgeweicht. Ist das eine missliche Entscheidung für Sie?

Haupt: Mit der Transformation unseres Werks in Martorell sind wir jetzt darauf vorbereitet, vollelektrische Fahrzeuge zu produzieren und gleichzeitig flexibel bei Plugin Hybriden und Verbrennungsmotoren zu bleiben. Das ist bei der aktuellen Marktentwicklung genau richtig. Im noch gültigen Gesetz steht für 2035 eine 100-prozentige Senkung der CO2-Emissionen. Jetzt geht es darum, die CO2-Regulierung an die reale Marktentwicklung anzupassen.

Der Vorschlag der EU Kommission sieht eine begrenzte Öffnung mittels eines Kompensationsmechanismus für 10 Prozent der Emissionen vor. Im Volumensegment bedeutet das aber quasi eine 100-prozentige Elektrifizierung. Unsere Strategie ist klar daran ausgerichtet. Wir werden im Laufe des Jahres sehen, auf welche Flexibilitäten sich die Politik einigen kann. Der Fokus sollte dabei zu allererst auf Flexibilitäten beim Ziel 2030 liegen. Wir werben dringend für einen Ausgleichszeitraum von 2028 bis 2032 für die Zielerreichung, um drohende Strafzahlungen zu vermeiden. Dieses Geld ist besser in Transformationsprojekte investiert, wie hier in Martorell.

«Wir brauchen diese Förderprogramme»

Der Cupra Tavascan fährt mit attraktivem Design vor. Foto: Cupra

Electrified: Im Vorjahr konnten sie global 43.000 Cupra Born absetzen und 36.000 Tavascan. Sind damit die Erwartungen erfüllt worden?

Haupt: Das ist eine sehr gute Skalierung. Wir sind damit sehr zufrieden.

Electrified: Nach einer Einigung des Volkswagen Konzerns mit der EU entfallen die Strafzölle für den in China gebauten Tavascan. Überlegen Sie dennoch eine Produktionsverlagerung nach Europa?

Haupt: Wir haben lange an unserem Angebot für die EU gearbeitet. Dass die Kommission dieses Angebot angenommen hat, ist eine gute Nachricht für den Moment, da wir unsere Planung aufrechterhalten können, den Tavascan wie geplant in China zu produzieren.

Electrified: Eine Verlagerung nach Europa ist kein Thema mehr?

Haupt: Zur Strategie der Werksauslastung des Konzerns können wir uns nicht äußern. Aber eines möchte ich wirklich betonen: Das sind sehr gute Nachrichten für uns. Denn der Tavascan ist ein wichtiges Modell unserer Elektrifizierungsstrategie, gemeinsam mit dem Born und ab 2026 dem Cupra Raval.

Electrified: In Deutschland lag der E-Anteil im Vorjahr bei den Zulassungen bei über 19 Prozent. Braucht es bei der derzeitigen Nachfrage eigentlich noch eine E-Autoprämie?

Haupt: Ganz klar: Wir brauchen diese Förderprogramme. Die E-Autos sind nach wie vor deutlich teurer als Verbrenner, deshalb braucht auch der Kunde eine solche Förderung.

«PHEVs sind perfekt für die Transition»

Electrified: Auch Plug-in-Hybride werden mitgefördert. Ist das sinnvoll?

Haupt: Es ist richtig, BEVs zu fördern, doch PHEVs sind perfekt für die Transition. Sie haben eine wichtige Funktion als Brückentechnologie auf dem Weg zur reinen Elektromobilität. PHEVs leisten einen direkten Beitrag zum Klimaschutz, wenn sie überwiegend elektrisch gefahren werden. Und je nach Land ist der PHEV für einige Kunden die einzige Lösung, weil es in einigen Ländern nur eine unzureichende Ladeinfrastruktur gibt. Trotzdem sind wir überzeugt: Die Zukunft gehört der Elektromobilität

Electrified: Die Produktionskapazität für Batteriesysteme in Martorell liegt bei 300.000. Ist das gleichzusetzen mit der Produktionskapazität an Fahrzeugen?

Haupt: Ja, das ist 1:1 gleichzusetzen.

Electrified: Wie viele E-Autos werden Sie in 2026 in Martorell produzieren?

Haupt: 2026 ist ja noch ein Anlaufjahr, wir müssen in diesem Jahr noch viele Prozesse trainieren.

Electrified: Europa kam im Vorjahr auf einen BEV-Anteil von über 17 Prozent. Wo sehen Sie den Markt in diesem Jahr?

Haupt: Da sollte die Mindestanforderung bei 25 Prozent liegen. Und in Deutschland sollte die E-Prämie dafür sorgen, dass der Anteil über 30 Prozent hinaus geht.

Electrified: Ihr Kollege Klaus Zellmer von Skoda schließt einen Stromer für um die 20.000 Euro für seine Marke aus, tun sie dies auch für Seat?

Haupt: Volkswagen kommt mit einem solchen Fahrzeug, Cupra hat da eine andere Positionierung. Für Seat ist es derzeit noch zu früh, über ein solches Fahrzeug zu sprechen.

«Seat ergänzt Cupra sehr gut»

Electrified: Welche Rolle spielt Seat eigentlich noch, wenn über 60 Prozent des Absatzes auf Cupra entfällt? Ist Seat eine Marke im Auslauf?

Haupt: Nein, so kann man das nicht sehen. Seat ergänzt Cupra sehr gut, die Kundschaft ist eine ganz andere als bei Cupra. Wir haben viele Overseas Märkte, aber auch Deutschland, Österreich und andere europäische Märkte, wo ein Fahrzeug wie der Ibiza super gut funktioniert.

Electrified: Ist Spanien mit Werken in Martorell und Pamplona in der Lage, zu einem wichtigen Standort für bezahlbare Elektromobilität in Europa zu werden?

Haupt: Absolut, wir sehen das Land als wichtigen Hub für die E-Mobilität. Der Konzern hat hier mit Partnern zehn Milliarden Euro investiert. Wir bauen in Martorell eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen pro Jahr auf. Das zeigt die Bedeutung von Spanien.

«Der Wettbewerb muss fair bleiben»

Sportlich gezeichnet: das Heck des Cupra Raval. Foto: Cupra

Electrified: Im Zuge der staatlichen Prämie gibt es derzeit auch hohe Herstellerprämien, die beispielsweise bei BYD bei weit über 10.000 Euro liegen. Erwarten Sie in diesem Jahr eine andauernde Rabattschlacht?

Haupt: Wir als Seat/Cupra werden uns an keinem Rabattkrieg beteiligen, der Wettbewerb muss fair bleiben. Aus unserer Sicht ist das kein nachhaltiges Geschäft. Und wir dürfen nicht vergessen, welche Bedeutung unsere Industrie für die Wettbewerbsfähigkeit Europas hat. Wir investieren hier, wir produzieren hier, und wir leisten hier einen langfristigen Beitrag: von den 10 Milliarden Euro, die wir in Spanien zusammen mit dem Volkswagen Konzern investieren, bis hin zu den Arbeitsplätzen, Zulieferern und industriellen Kapazitäten, die wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichern. Unsere Branche ist das Rückgrat der industriellen Stärke Europas.

Denn am Ende gibt es zwei Wege, in Europa Geschäfte zu machen: Man kann hier verkaufen und den Wohlstand woanders schaffen. Oder man investiert, produziert und entwickelt in Europa und schafft damit einen Mehrwert, der weit über den Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinausreicht. Und genau das tun wir.

Das Interview mit Markus Haupt führte Frank Mertens

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified.