Da ist er nun, der neue Renault Twingo. Sein Äußeres ist sympathisch – und seine Fahreigenschaften sind überzeugend.
Keine Fahrzeugklasse ist in den vergangenen Jahren so unter die Räder gekommen wie das der Kleinwagen. Der Grund: Die EU-Kommission in Brüssel fordert immer strengere Regularien bei Assistenzsystemen und Abgasemissionen, so dass viele Hersteller aus Kostengründen das Handtuch warfen. Sie können mit den Minis kein Geld mehr verdienen. Heute liegt dieses Segment in Europa unterhalb von fünf Prozent, in Deutschland sind es noch weniger.
Doch langsam tut sich was – und zwar auf elektrischem Wege. Ziel immer mehr Hersteller ist es, erschwingliche E-Mobilität für den urbanen Bereich anzubieten. Preisschwelle: 20.000 Euro. VW will hier allerdings erst 2027 den ID.1 bringen. Bereits im Markt sind Dacia mit dem Spring, Hyundai mit dem Inster und Leapmotor mit dem T03. Sie starten bei 18.700 Euro bzw. bei 24.400 und 18.900 Euro. Ab sofort ist Renault mit von der Partie. Und dies mit einem der charmantesten und emotionalsten Kandidaten, dem Twingo. Startpreis: 19.990 Euro.
Ur-Twingo von 1992
Ältere Autofahrer dürften sich noch gut an den Ur-Twingo von 1992 erinnern: farbenfroh, vielseitig, anspruchslos und mit einem niedlichen Augenaufschlag traf er Kunden und vor allem Kundinnen mitten ins Herz. Renault verkaufte über vier Millionen Einheiten von seinem knuffigen Kleinwagen im sogenannten One-Box-Design.
Der neue Twingo soll da seinem berühmten Vorgänger in nichts nachstehen. Renault sieht ihn sogar als „Game Changer“. Er ist Teil einer durchaus mutigen Strategie, nämlich einen Kleinwagen in Europa zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bauen. Vom Band läuft der elektrische Twingo mit dem umständlichen Beinamen „E-Tech Elektrisch“ in Slowenien.
Sein Design erinnert sofort an den Ur-Twingo, ohne dabei jedoch zu sehr auf Retro zu setzen. Renault gelang dieser Spagat bereits sehr eindrucksvoll mit den Modellen 4 und 5. Nun schafften es die Designer erneut, einen ähnlich vielseitigen Innenraum zu kreieren wie seinerzeit beim Original. Wer in dieser Klasse hat schon einzeln verschiebbare Rücksitze oder eine umklappbare Beifahrersitzlehne?
Unterwegs mit LFP-Batterie
Übersichtlich halten es die Franzosen mit dem Antrieb. Im Boden steckt – erstmals bei Renault – eine LFP-Batterie (Lithium-Eisen-Phosphat). Sie hat eine Kapazität von 27,5 kWh. Da das Auto ohnehin für den urbanen Einsatz ausgelegt ist, dürfte ein Aktionsradius von bis zu 263 Kilometern alltagstauglich sein. Und weil der Twingo vermutlich zu mehr als 95 Prozent zu Hause geladen wird – eine 11-kW-Wallbox ist nicht zwingend nötig –, ist die DC-Ladefähigkeit von 50 kW kein wirkliches Manko. Selbst wenn es einmal an einen Schnelllader gehen muss, ist der Akku in einer halben Stunde zu 80 Prozent gefüllt. Unüblich in der Klasse: die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load). Damit können externe 220-Volt-Geräte betrieben werden. Dem frischgebrühten Espresso steht also während eines Picknicks nichts im Wege.
Für Vortrieb im Twingo E-Tech sorgt eine 60 kW/82 PS starke E-Maschine unter der Fronthaube. Eine erste Testfahrt zeigt schnell, dass der Wagen damit gut motorisiert ist. Mehr Leistung bedarf es im Alltag nicht, zumal das Drehmoment elektrotypisch sofort 100 Prozent bereitsteht.
Doch nicht nur das Fahren erzeugt gute Laune, auch mit dem farbenfroh gestalteten Interieur freundet man sich schnell an. Auf sympathische Weise zeigt Renault einmal mehr, dass Kleinstwagen keine rollende Verzichtserklärung sein müssen. Im Twingo stecken Technologien, die normalerweise im schwindenden A-Segment überhaupt nicht zu finden sind. Dazu zählen diverse Assistenzsysteme sowie das Multimedia-System Open R link mit integriertem Google. Zudem ist der Avatar Reno an Bord, ein KI-gesteuerter Co-Pilot. Auch die Auswahl der Materialien für den Innenraum haben nicht den weitverbreiteten Billig-Touch, obgleich auch in dem kleinen Franzosen Kunststoff dominiert. Aber man sollte bei Kritik stets den Preis in Relation setzen.
Viel Platz im Inennraum
Trotz der Kürze (3,79 Meter) bietet der Twingo innen den Platz wie in der nächsthöheren Klasse – der Elektroplattform sei Dank. Dass es auf den Rücksitzen, selbst wenn diese komplett nach hinten (17 Zentimeter) geschoben sind, für Erwachsene dennoch beengt zugeht, ist aber nicht zu vermeiden. Für kurze Distanzen aber geht auch das. Andererseits schaffen die kompakten Abmessungen eine erfreuliche Handlichkeit beim Parken und Rangieren. City-Life ganz ohne Stress. Ebenso wohltuend: Nicht nur mehr als ein Dutzend Staufächer und Ablagen für den Kleinkram im Alltag, sondern auch ein äußerst wichtiger Schalter links vom Lenkrad. Mit ihm lassen sich bis zu fünf gewünschte Fahrassistenzsysteme gleichzeitig aktivieren und vor allem deaktivieren. (SP-X)



